Denn es braucht weder Aliens, Chronologiekritiker noch Verschwörungstheorien. Themen wie Basken, Seevölker, Dorische Wanderung, Atlantis oder indogermanische Invasionen sind längst zu deuten. Man muss nur die neuesten Veröffentlichungen von Archäologen, Genetikern, Geologen, Linguisten und Geografen zusammenbringen. Und die lassen sich durch die sog. Katastrophentheorie zusammenfassen, welche Auf- und Untergang aller urzeitlichen Kulturen nach den immer gleichen Abläufen erklärt: Kosmischer Impact, tektonische Verwerfungen, Tsunamis und kurzfristige Besiedlung der Höhen, atmosphärische Winter und langfristige Agrar- und Subsistenzkrisen, kriegerische Völkerwanderungen und letztlich technologischer Fortschritt. Dazu stelle ich im Einstieg "Worum es hier geht“ 7 Hypothesen auf, die gerne diskutiert werden können. Die daraus resultierende Chronologie finden Sie in den Artikeln von 1. bis 7. durchnummeriert. Eine Übersicht der damaligen Kulturen ganz unten rechts…

Dienstag, 10. März 2020

Krisenbedingte Siedlungsstrategien und Befestigungsarchitektur im prähistorischen Europa

Muster im Chaos
Tempel auf Malta (4000-2500 v. Chr
Menschen bauten über Jahrtausende immer nach dem gleichen Stil: Die konzentrischen Steinbauten von Göbekli Tepe (10.000 v. Chr., Mesolithikum) scheinen den Ringmauern im griechischen Sesklo (5800 v. Chr.), den Tempelbauern von Malta (ab 4000 v. Chr.), den Dolmengräbern in Spanien (ab 3800 v. Chr.), den Großsteinmonumenten in der Bretagne (ab 3500 v. Chr.), sogar noch den Architekten von Stonehenge (um 2600 v. Chr.) als Vorbild gedient zu haben: Konzentrisch, Steinträger, hausartig, unerschütterlich. Megalithische Architekturgeschichte global und über Jahrtausende? Es ist noch viel verrückter! Wer sich den Siedlungshügel des Homo Erectus vor 400.000 Jahren bei Bilzingsleben anschaut, erkennt die gleichen Niederlassungsmuster, wie sie bis ins Frühmittelalter angewendet wurden: ein alles überblickender Bergsporn mit Quelle (Steinrinne), über nahem Fluss (Wipper), mit Anbindung zum urzeitlichen Fernverkehr (Heidenstraße, Wipperdurchbruch). Lächerlich? Solche unvorstellbaren Dimensionen lassen sich leicht erklären, wenn man die Zwänge dahinter versteht: Sicherheit, Versorgung, Fortpflanzung. Entsprechend übersät ist das Umland von Bilzingsleben mit Artefakten aus allen Siedlungszeiten. Auch die Neandertaler über Weimar-Ehringsdorf lebten vor 200.000 Jahren nach dem gleichen Prinzip (über Burghole, Ilm und Kupferstraße). Und die Urnenfelderleute auf dem Gleitsch vor 3000 Jahren sowieso! Natürlich haben sich gerade die ersten Bauern immer auch in der Ebene niedergelassen, wer klettert schon gerne auf Berge. Sie mussten sich in jedem Fall aber, besonders in den Flussauen, ein trockenes Plätzchen suchen - es wurde ja erst später melioriert. Den Höhen kam immer eine besondere Bedeutung zu.
Das immer wieder überschwemmte prähistorische
Siedlungsgebiet von Poebene und Adria
 
Die Niederungsiedlungen nämlich scheinen extremen Schwankungen unterlegen zu haben. Obwohl kein Mensch einen behüteten Ort aus Jux und Tollerei verlässt, konstatieren Archäologen immer wieder sog. Siedlungslücken. Ganze Kulturen verschwanden, Völker wanderten umher, Kriege verheerten ganze Landstriche, blühende Landstriche verödeten. Diese Umbrüche haben gleichzeitig ganze Regionen betroffen und korrelieren mit weltweiten Umweltkrisen. Dabei muss die Höhenlage der Siedlung gegenüber dem Meeresspiegel eine entscheidende Rolle gespielt haben. Immer wieder vermelden Ausgräber zu bestimmten Zeiten menschenleere Flussauen und kurz danach den Bau oder Wiederaufbau von Höhensiedlungen. Exemplarisch steht hier Troja, das - gegen 3000 v. Chr. nur 15 Meter über den Dardanellen erbaut - jeweils um 2200, 1600 und 1200 v. Chr. zerstört wurde. Die Wissenschaft konnten in den letzten Jahren große Fortschritte erzielen, um solche Szenarien aufzudecken. Allein ihre Schlussfolgerungen wollen nicht recht überzeugen: Zufall, Überbevölkerung, kriegslüsterne Invasoren, Machtintrigen, zu Ende gehende Ressourcen - in prähistorischer Zeit wohl bemerkt! Dem Wetter damals wird inzwischen einige Aufmerksamkeit geschenkt, aber nur im Zusammenhang mit Sonnenaktivitäten.
Kaltzeiten gleich Katastrophenzeiten?
Dabei haben Geologen, Biologen Geografen, Klima- und Meeresforscher längst auch andere der sich dahinter verbergenden Krisen aufgedeckt. Denn die allermeisten Kapriolen scheinen ihren Ursprung in großen Naturkatastrophen mit ihren Folgeerscheinungen zu haben (Siehe Post: Europa im Rhythmus von Naturkatastrophen). Bestes Beispiel der gut erforschte Ausbruch des Thera auf Santorin. Doch dazu später. Solch ein Kollaps scheint sich durchweg in der nachfolgenden Krisenarchitektur auszudrücken.
Bei derartigen Behauptungen muss man sich natürlich abgrenzen:
  •         Es geht hier nicht um irgendwelche wohl immer vorhandenen Laubhütten, sondern um repräsentative Bauten dominierender Kulturen. Es gibt einige Ausnahmen, wozu ich Felsendächer, Höhlen und unterirdische Städte zähle (Derinkuyu).
  • Von den veröffentlichten archäologischen Ausgrabungen extrapoliere ich durch Vergleich auf Tausende ähnliche, aber unerforschte Wohnanlagen in Europa. Das ist aber nur bei Geländeanomalien in unüberbauten höheren Lagen möglich. In den Ebenen, allerorts durch Überschwemmungssedimente und Neubauten überlagert, muss ich mich auf die Ergebnisse der Archäologie verlassen.
  • Die ebenfalls sich aus dem Fruchtbaren Halbmond heraus nach Süden entwickelten Steinbauten in Mesopotamien und Ägypten werden ja andernorts ausreichend beschrieben.
  • Das Kulturenchaos der Archäologie tangiert hier nur insofern, als dass Auswirkungen auf Siedlungsstrategien sichtbar werden.
  • Dabei halte ich mich im Wesentlichen an wissenschaftlich Ausgrabungsergebnisse, hinterfrage aber einige Lehrmeinungen und schlussfolgere mit eigenen Theorien zu Siedlungslücken.
Göbekli Tebe, Türtkei 10.000-7000 v. Chr. 
Das scheint auch dringend notwendig! Beispiel: gleich die aller erste bekannte Dauersiedlung mit ihren „Steinkreisanlagen“ von Göbekli Tepe. Die Hügel zwischen den Quellflüssen des Euphrat sind der Gegend von Bilzingsleben gar nicht so unähnlich. Nur weniger grün! Niemand hat etwas gegen die sensationellen Erkenntnisse der Ausgräber, dass es sich hier noch um Jäger und Sammler handeln musste, die sich anschickten, Bauern zu werden. Noch dazu solche, die Sandstein mit sicher noch härteren Steinen kunstvoll und monumental umgestalteten. Wenn die Experten dann aber die normalsten Lebensumstände der Menschen dort mit kultischem Hokuspokus verklären wollen, hört der Spaß auf. Sie suchen nach der „zum Heiligtum gehörigen Siedlung, weil die Steinkreise ja unmöglich Wohnhäuser gewesen sein können“. Einzige Begründung: die 2 typischen Mittelpfeiler hätten nicht die gleiche Höhe, um ein waagerechtes Dach abzugeben. Dabei schreit die gesamte Konstruktion danach, mit ein paar Hölzern, Zweigen und Blättern belegt zu werden. Wo steht denn, dass ein Giebel immer waagerecht sein muss? Schräg bringt er sogar mehr Effizienz! Bei den späteren Langhäusern in Europa wurden solche schrägen Dächer mehrfach nachgewiesen. Ansonsten sieht das Steingebilde nämlich wie jede gängige urzeitliche Hütte oder Jurte aus, nur eben aus Stein: Die Archäologen deuten außerdem die Tier-Reliefs darin als magische Kultobjekte, wohlwissend, dass satte gelangweilte Menschen, z. B. in kalten Winternächten, zu vollendeter Kunst fähig waren (vergleiche die Höhlenmalereien rund um das Mittelmeer vor etwa 17.000 Jahren). Sie deuten die Verfüllungen der aufgegebenen Anlage als „von religiösen Menschen gemacht“, ohne die zerstörerische Kraft von Überschwemmungen und Fluten zu berücksichtigen, wie es sie heute noch gibt. Nur eben nicht mehr dort!

Mode und Zwang
Alles Gute aus dem Nahen Osten?
Fruchtbarer, metallverarbeitender,
 verschriftlichter und auch bautechnischer Halbmond
Die runde Form der ersten Häuser wurde auch anderen Orts nachgewiesen. Trotzdem scheinen sich schnell die Zwänge der örtlichen Gegebenheiten durchgesetzt zu haben. Anderes Baumaterial kam ins Spiel und damit veränderte Strukturen. Die Reihenfolge sollte wie folgt aussehen, wobei Holz für die Dachkonstruktion immer üblich gewesen sein muss (Zeiten v. Chr.):
  •  . ab 10.000 Bruchsteine verschiedener Größe, die auch künstlerisch bearbeitet wurden (Gebirgslagen des Fruchtbaren Halbmondes)
  • ab 7500 gebrannte und getrocknete Lehmziegel mit der Wanderung in Savannen und Wüsten
  • ab 5.500 komplett aus Holz, so genügend vorhanden war
Diese Veränderungen könnten aber auch von Krisen ausgelöst worden sein. Beispielsweise scheinen die Steinschichtungen über den viel älteren Dolmen in der Bretagne (sog. Cairns) erst dann entstanden zu sein, als man merkte, dass Erde als Dolmenüberwurf (Thumuli) von den Tsunamis immer wieder weggespült wurde. Naturgemäß sollte Stein den meisten Schutz gewähren - auch das zieht sich wie ein roter Faden durch die Siedlungsgeschichte. Die Handhabbarkeit gerade in friedlichen Zeiten scheint aber oft über die Sicherheit gesiegt zu haben. Die Mehrere-Tausend-Seelengemeinde von Catalhöyük lebte von 7500-5700 v. Chr. bereits in verschachtelten Eckhäusern aus Ziegelsteinen. Das war ein scheinbar unbefestigter kleiner Hügel auf einer weiten anatolischen Hochebene. Der Wechsel von Stein auf Ziegel könnte mit der Wanderung aus dem Gebirge ins fruchtbare aber steinarme Tal zu tun haben. Mit den Ziegeln wird ein weiteres Merkmale krisenbedingter Siedlungstätigkeit bis in die Neuzeit nachweisbar:
Tell: Siedlungsüberlagerungen ab 6000 v. Chr.-Zeitenwende

Das ist die permanente Wiederverwendung vorhandener Wohn- und Verkehrsstrukturen nach Zerstörungen. Bereits damals entstanden im Nahen Osten die sog. Tells oder Tepe. Das sind Siedlungshügel vorrangig aus Lehmziegel oder Stampflehm, die über Jahrtausende immer wieder aufgebaut wurden. Sie finden sich nicht nur im gesamten Vorderen Orient, sondern auch in Osteuropa bis Serbien und Ungarn. Es scheint also, als hätten sich nicht nur Land- und Viehwirtschaft sowie später die Metallverarbeitung auf dem gleichen Weg in alle Welt verbreitet, sondern auch alle architektonischen Leitformen. Die Zeiten solcher Diffusionen habe ich in einer Tabelle unten angehängt. Natürlich wird die Ausbreitung jeweils strahlenförmig und relativ kontinuierlich verlaufen sein, aber in bestimmten Landstrichen setzten sich jeweils unterschiedlich dominierende Bauformen durch. Die Ursache dessen wird in den jeweiligen geologischen und klimatischen Bedingungen zu suchen sein. Dabei zeigen sich vier Hauptstränge und Ausführungsformen, die die entsprechenden Regionen und Völker elementar prägen sollten:
  • Aus Stein ab 8000 v. Chr. nach Süden (Jericho, Ägypten). 
    Zikkurat 5000-2500 v. Chr.
  • Ebenfalls aus Stein zur gleichen Zeit nach Osten über die Ränder des Mittelmeers (Dieses muss vor 6200 v. Chr. viel flacher gewesen sein) nach Italien (Cardium-Kultur) und über Malta und Algerien nach Spanien (La Almagra-Bauern). Später scheint noch ein kleinerer Schub durch die Sahara dazu gekommen zu sein. Es entwickelte sich die megalithische Kultur auf der Iberischen Halbinsel, die später bis nach England und Skandinavien expandierte.
  • Aus gebrannten oder getrockneten Ziegeln ab 7000 v. Chr. nach Osten ins spätere Mesopotamien (mit ihren noch späteren Zikkuraten ab 5000 v. Chr.), aber auch nach Osteuropa bis Ungarn und Serbien. Im Karpatenbecken muss ein Umschwung stattgefunden haben. Denn
  • aus Holz ging es weiter die Donau hoch nach Mitteleuropa als Linienbandkeramiker mit ihren typischen Langhäusern und Grabenwerken ab 5500 v. Chr., in England erst ab 4700 v. Chr. 
Langhaus 5500 vor - 1500 nach Chr.

Diese Stränge aus dem Fruchtbaren Halbmond heraus sind über landwirtschaftliche Samen, Knochen domestizierter Tiere, Feuersteinfunde, kulturelle Keramik und Siedlungsplätze nachgewiesen. Trotzdem wird die Linie nach Spanien kaum publiziert (Ägäis, Griechenland, Adria, Italien, Malta, Maghreb, Spanien). Das kann daran liegen, dass über die genetischen Bewegungen dort noch heftig gestritten wird (z. B. Haplogruppe R1a und R1b). Mittel- und Hochgebirge scheinen die Wanderer auch immer nur relativ kurz aufgehalten zu haben. Die ersten Bauern am Rhein sollen aber 500 Jahre früher über die Alpen gekommen sein, als ihre Vettern über die Karpaten. Diese östlichen Linienbandkeramiker wären mehr Ackerbauern gewesen, während man bei den westlichen Kulturen mehr Haustierknochen bei den Ausgrabungen fand.
Die neolithische Besiedlung Europas

Das könnte auch der Grund sein, warum just zu dem Zeitpunkt, als die erst italienische Cardialkultur von Südfrankreich in Andalusien aufschlug, die Menschen dort begannen, souverän Großsteine aufeinander zu wuchten (Die afrikanische La Almagra hatte ja keine Vieh über Gibraltar bringen können). Diese zunächst formelle Unterscheidung scheint sich mit dem Anstieg des Mittelmeerspiegels (Höhepunkt gegen 6200 v. Chr.) zu einer völligen Trennung der Zivilisationen geführt zu haben. Damit mussten von Anfang der Besiedlung an zwei große Kulturkreise in Europa entstanden sein: Ein westlicher megalithischer, früher als Alteuropa bezeichnet und ein östlicher mehr auf Holz orientierter, von vielen Wissenschaftlern damals schon mit den Indogermanen in Zusammenhang gebracht.
Die Bipolarität Europas archäologisch...
Da auch die Genetik anders war, sollte man von einer Bipolarität Europas sprechen. Beide Stränge müssen nach Nordfrankreich, Skandinavien und die britischen Inseln weiter gezogen sein. In Stonehenge haben gegen 3100 v. Chr. zuerst die östlichen Holzleute gebaut, um gegen 2600 v. Chr. von den Megalith-Baumeistern abgelöst zu werden. Diese Gemengelage scheint über die Jahrtausende hin und her gewogen zu sein. Es kam auch zu Vermischungen, aber im Wesentlichen schieden sie sich am Rhein. Den Anschein, wonach der Fortschritt dabei immer aus dem Osten kam, hängt davon ab, wie man diesen definiert. Jedenfalls scheinen sich die weitgehend unterbewerteten Kulturen im Westen von 5500 bis 1200 v. Chr. hervorragend „gehalten“ zu haben.


Konzentrische Niederungsburgen
...und genetisch

Wegen der sich dabei abzeichnenden Verdrängungskonflikte, auch zu den Wildbeutern, muss die neolithische Expansion eine gefährliche Zeit gewesen sein. Aus 5000 v. Chr. stammen mehrere Massengräber in Mitteleuropa, die auf übelste Massaker hindeuten. Die ersten Häuslebauer hier, die die Donau hoch, oder über Böhmen nach Polen kamen, scheinen in Mitteleuropa einfach auf mehr Wald gestoßen zu sein. Holz lässt sich eben leichter verarbeiten als Ziegel. Andererseits könnte man den architektonischen Umschwung in Ungarn auch auf einen Vorstoß der Völker nördlich des Schwarzen Meeres zurück führen, die mit ihrer Wanderung Richtung Westen einen späteren Trend vorweg nahmen. Darauf deuten auch die genetischen Triften damals hin, die Rinderhirten - ebenfalls aus dem Fruchtbaren Halbmond - konstatieren, die sich über den Kaukasus ausgedehnt hätten. Es entstanden in Mitteleuropa jedenfalls diese großen Langhäuser auf fruchtbaren Anhöhen nahe den Flüssen, teils schon in richtigen Dorfverbänden, wie in Leipzig-Eythra, Gera, Ranis, Rudisleben oder Ober-Ramstadt. Diese Wohnanlagen enthielten schon alles was den Hausbau die nächsten 6000 Jahre ausmachen sollte. Pfostenreihen, Lehmwände, Schrägdach. Anfangs wird es noch keine Fenster gegeben haben. Oft waren diese Gemeinden mit regelmäßigen Grabenanlagen umgeben (Köln-Lindental, Großrußbach, Schöningen Eßbeck). Palisaden und Wälle wurden teilweise nachgewiesen (Falkenstein-Schanzboden, Langweiler 2), vielleicht aber gab es sonst nur Dornenhecken. Der Verteidigungscharakter solcher Anlagen wird gerne mal bestritten. Die regelmäßigen Kreisanlagen scheint es ebenfalls seit den ersten Siedlern gegeben zu haben.
Kreisgrabenanlage Pömmelte 2335-2050 v. Chr.
Die in Mitteldeutschland berühmten Vertreter wie Dresden-Nickern (5500-4500 v. Chr.) und Goseck (4900-4700 v. Chr.) lagen schon ziemlich hoch über den Flüssen und hatten mit Sicherheit Gräben und Palisaden. Den konzentrischen Bauwerken sind oft separate Dörfer zugeordnet. Das ist neben deren astronomischer Ausrichtung der Hauptgrund, warum die Kreise, wie in Göbekli Tepe, mit abstrusen kultischen Gebräuchen in Verbindung gebracht werden. Abfallgruben und Gräber werden als kultische „Niederlegungen“ gedeutet. Einzelne Wissenschaftler widersprechen dem energisch. Denn die Pfostenlöcher innerhalb der Rondelle lassen Stützen einer wiederum überdachten Wohnanlage vermuten. Das wurde in Herxheim und Vaihingen auch nachgewiesen. Vielleicht hatten sich in den Rondellen auch die fremden Invasoren mit ein paar Kriegern und deren Familien verbarrikadiert, von mir aus auch, um irgendwelche Zeremonien durchzuführen. Interpretationen als Fliehburgen und reine Kultstätten scheinen aber, wie in der späteren Früheisenzeit auch, ein Mythos zu sein. Alle Religionen in Ehren - aber ich halte es mit der Theorie, dass sich kultische Traditionen meist aus praktischen Zwängen entwickelt haben. So liegen einige der runden Grabenwerke auch innerhalb eines nochmals verschanzten Dorfes (Landau-Meisterntal, Künzig-Untermberg).
Überall zu finden: die Werkzeuge unserer Vorfahren
Solche Wohnplätze sind noch heute auch ohne Grabungen an extremen Konzentrationen von Steinen in handhabbarer Größe mit Nutzungsspuren zu identifizieren (Schlagkanten, Schleif- und parallele Schnittspuren, kleine runde Vertiefungen - sog. Schüsselchen, Schlagstiche, durchgehende Löcher, größere manchmal auch ambossartig. Davon gibt es so viele, dass alle Theorien über die Anzahl der Menschen in der Ur- und Frühzeit über den Haufen geworfen werden können. Das scheint mit abnehmender Tendenz bis in die Bronzezeit hinein so zu bleiben.
Schon damals zeigt sich ein fundamentaler Unterschied zwischen den Zivilisationen in Ost- und West: Die einen bauten ihre repräsentativ- und Verteidigungsanlagen vorrangig aus Holz, die anderen aus Stein. Diese Unterscheidung findet sich aber bei keiner archäologischen Klassifizierung. Nur die Internet-Plattform vanaland.de sortiert da recht überzeugend. Dem wiederspricht auch nicht, dass andere Strukturen und Geräte ähnlich waren, wie Pfeil und Bogen beispielsweise oder Erdhügelgräber, man hatte ja dieselben Wurzeln.
Los Millares, Südspanien 3500-2300 v. Chr.
Im Westen scheint man sich sogar länger an den runden Strukturen orientiert zu haben. Dafür stehen die vielen Großsteingräber in Spanien (Cuevas), wovon zumindest einer - der Cueva von Menga - wegen seinem Brunnenschacht im Inneren teils auch als Wohnhaus interpretiert wird. Diese konzentrischen Grabenanlagen finden sich in Portugal und Spanien massig. Noch die Wohnhütten in Los Millares und Zambujal um 3500 v. Chr. sind rund. Sogar einzelne Atlantis-Freaks berufen sich auf diese Kreis-Strukturen in Iberien.

Doch die fruchtbaren Flussauen könnten auch der Untergang für die ersten Bauern gewesen sein.

Gegen 4500 v. Chr. verschwanden die sich aus den beiden Hauptströmungen herausgebildeten Einzelkulturen, wie Al Magra, Rössner-, Stichband- und Vinca-Kultur. Die Fachgelehrten sprechen von einem Rätsel, vereinzelte Wissenschaftler von den typischen kurzzeitigen Effekten tektonisch bedingter Tsunamis, die von den Meeren hinauf die Flussauen überschwemmten sowie von der Langzeitwirkung atmosphärischer Winter, wie sie bei großen Vulkaneruptionen entstehen. Alternativ könnten auch extreme Regenzeiten und Sturzfluten von den Bergen herab in Frage kommen. Immerhin gehen einige Forscher so weit, kulturelle Umbrüche prinzipiell mit kriegerischen Invasionen in Verbindung zu bringen, wie sie beim Kampf um verknappte Ressourcen entstehen. Doch die Krisenarchäologie steckt noch in den Kinderschuhen. Die gesamte Europäische Platte schien damals betroffen. Selbst die älteste und eine der größten Ringgrabenanlagen Europas bei Passo di Vorvo in Süditalien (6000-4500 v. Chr.) soll damals überflutet worden sein. Sie bestand aus 200 nur kleinen Ringgräben für jeweils nur einen Hof. Ihre flussferne Lage an der Adria macht die Tsunamitheorie wahrscheinlicher. Und: Bloß die Siedlungen in höheren Lagen scheinen damals verschont oder zu jener Zeit als Reaktion erst angelegt worden zu sein. So muss die typische Pfahlbauweise (4500-1000) v. Chr.) in und um die Alpen zum Schutz gegen schwankende Wasserstände damals entstanden sein. Selbst die kontinuierliche Besiedlung des hoch liegenden Grabfeldes zwischen Rhön und Thüringer Wald könnte auf diesen Zusammenhang hinweisen. Vielleicht entstanden in jenen Zeiten bereits die extrem vielen Nutzsteinkonzentrationen auf den Bergen überall in Europa (jeweils ohne felsigen Untergrund), fast alle bisher kaum erforscht. Die meisten Geologen vermuten darin natürliche Deformationen (vergl. Hühnergott, Basaltriefen). Die wieder handlichen Steine sehen aber genau so aus, wie sie von Prähistorischen Museen und Experimentalarchäologen als Nutzsteine überall präsentiert werden.
Grabenwerk Herxheim 5300-5159 v. Chr.
Ich habe aber noch keinen Archäologen oder Geologen gefunden, der sich anhand von Verwitterungs- und Gebrauchsspuren auf das Alter ihrer Nutzung festlegen will. Sie positionieren sich nur bei Keramikstil, Kohlenstoffzersetzung und Knochengenetik. Und schon diese Methoden haben es auf Grund des hohen Alters der Funde schwer. Sichtbare Spuren von Befestigungen damals gibt es heute überhaupt nicht mehr. Aber in meiner Heimat rund um die Gleichberge haben Archäologen so viele ausgegraben, dass man von einem regelrechten Boom sprechen könnte. Der Untergang der o.g. Vorgängerkulturen deutet jedoch bereits um 4500 v. Chr. jene Abläufe an, wie historische Siedlungsstrategien von Umweltkatastrophen beeinflusst werden können. Sie ergeben ein regelrechtes Muster, wie es sich nochmal ab 3900, 2200, 1600 und 1200 v. Chr. in Europa, aber auch in anderen Teilen der Welt zu wiederholen scheint (Siehe Post: Europa im Rhythmus globaler Naturkatastrophen). 

  • Tektonische Verwerfungen mit Erdbeben, Tsunamis und Vulkanausbrüchen, alles Flachland wird vom Meer her überflutet, über die Flussauen gelangt das Hochwasser bis tief ins Hinterland. Manche Wissenschaftler bringen solch extreme Plattentektonik mit den entlasteten eiszeitlichen Polkappen in Verbindunge, andere mit Meteoriten-Einschlägen. Die Überlebenden fliehen in höhere Lagen.
  • Neolithische Expansion: Sprünge durch 
    Katastrophen ausgelöst?
  • Verdunklung des Himmels durch Vulkanstaubpartikel, atmosphärischer Winter, Klimakollaps mit extremen Kälteeinbrüchen und Trockenheit um das Mittelmeer, in der nördlichen Hemisphäre dagegen wahrscheinlich Dauerregen und noch stärkere Versumpfung der Täler.
  • Agrarkrisen, die sich zu gesamtgesellschaftlichen Subsistenzkrisen ausweiten.
  • Zusammenbruch der Gemeinwesen, kriegerische Völkerwanderungen in nicht betroffene Regionen, Schätze werden vergraben, Bau von befestigten Höhensiedlungen, Verschmelzung mit anderen Völkern.
  • Klimaberuhigung, Rückwanderung und Wiederbesiedlung der sich langsam renaturierenden Gebiete, Vermischung mit den restlichen Einheimischen, wiederum entstehen neue Zivilisationen.
  • Aufschwung, neue Technologien bei Arbeitsgeräten und Waffen, insbesondere seit Einführung des Metalls. In Mitteleuropa scheint dabei bis 1200 v. Chr. ein ewiger Kampf zwischen (indoeuropäischen) Ost- und Westkulturen des „Alten Europas“ stattzufinden. (Siehe Tabelle im Blog rechts unten).
Die um 4500 v. Chr. nur schwer noch erkennbaren Muster werden aber mit der Zeit immer deutlicher. Jedenfalls scheint die westliche Megalithkultur danach erstmals bis nach Mitteldeutschland vorgerückt zu sein. Die Baalberger Kultur (4200-3100 v. Chr.) verwendet Steinkistengräber unter ihren Erdhaufen. Auch hier wird das Prinzip deutlich, wie oben beschrieben: Ein ständiges Reiben der östliche Holzkultur an den westlichen Großsteinsetzern. Nach Naturkatastrophen bekriegen, in Friedenszeiten vermischen sie sich. Genetisch ist das Prinzip bestätigt, wird aber nur bei den späteren sog. Aunjetitzern thematisiert. Manche Linguisten vermuten schon damals den Einfluss der aufkommenden Indogermanen. Die scheinen wegen der Kaukasusanbindung an den Fruchtbaren Halbmond immer den technischen Vorteil auf ihrer Seite gehabt zu haben: Grabhügel-Kurgane (mit Holzkisten), Rinderzucht, Mini-Venus, Äxte, Erfindung des Rades. Die Steppenkrieger aus dem Osten werden auch oft als Reiter wahrgenommen. Die Domestizierung der Pferde ist mit 3000 v. Chr. datiert.
Das aufkommende megalithische Alteuropa wird eher durch Nutzung von Höhlen, Felsmalerei, Steinkistengräber mit Überschüttungen in allen Größen sowie Menhiren repräsentiert. Die Megalithiker hatten sich dabei, beginnend ab 4800 in Iberien, an den Küsten von Atlantik und Nordmeer vorgearbeitet (ein Strang ging auch Richtung Schweiz). Viele Forscher glauben, dass das nur mit Schiffen möglich war. Ich vermute, dass sich die Hochseeschifffahrt bereits seit dem Meeresanstieg 6200 v. Chr. langsam entwickeln musste. Quasi um den Kontakt der nun isolierten Westlern mit ihren Wurzeln im Osten aufrecht zu erhalten. (Seit 5000 v. Chr. haben archäologische Leichen Hochseefische im Magen, seit 4000 v. Chr. sind entsprechende Schiffe belegt.). Kupfer- und Bronzewaffen scheinen so beide Kulturkreise fast gleichzeig gehabt zu haben. Die Quellen widersprechen sich da.
Grubenwerk Wyke Down, England gegen 3460 v. Chr.

Nach 4500 v. Chr. wurden aber weiter konzentrischen Erdwerke gebaut. Die sahen noch genauso aus, die Gräben hatten jetzt aber vermehrt Lücken, die wie Brücken in die zentrale Anlage funktionierten. Sie nennt man auch Grubenanlagen, so als wenn die Gräben nicht fertig gebaut waren, dafür sind sie aber zu regelmäßig angeordnet. Man siedelte immer noch nahe den Flüssen, vermehrt aber auf hohen Bergspornen mit gleichmäßig halbrund geformten Verteidigungsanlagen, wie niedrige Wälle oder Palisaden (Klingenberg, Bad Wimpfen). Alle neuen Kulturen lassen sich mit solchen Schanzen in Verbindung bringen: Trichterbecher (Nordosteuropa, 4200-2800 v. Chr.), Chasseen (Frankreich, 4500-3500 v. Chr.), Michelsberg (Mitteleuropa, 4400-3500 v. Chr.). Ob Fareleira in Spanien, Camp Durant in Frankreich oder Staines Enclosurein England - überall das gleiche Bild. Teils werden zwischen aufgestellten Menhiren auch Trockenmauern geschichtet (Morbihan, Barnenez, Barnhouse). Vielleicht sind die aber auch erst später aufgestellt worden. Möglich, dass einige der steinernen Henges auf den Britischen Inseln ja ebenfalls hölzerne Dachkonstruktionen und Zwischenwände hatten.
Woodhenge Yorkshire, England gegen 2200 v. Chr.:
Vorbild für massenhafte Bergsiedlungen in Mitteleuropa?
Sie sollen bis 2200 v. Chr. genutzt worden sein. Ihre Pendants - ganz aus Holz - z.B. an der Elbe - Schönebeck 2300-2200 v. Chr. und daneben Pömmelte (2200-1700 v. Chr.) noch etwas länger. Das könnte etwas mit ihrer tiefen Lage und den vielen sich dort kreuzenden wasserscheidenden Höhenwegen zu tun haben. Immer wieder aber wurden deren Gräben zugeschüttet. Die Archäologen sagen rituell, ich vermute durch Hochwasser. 


Denn bereits ab 3900 v. Chr. werden von Wissenschaftlern weltweit erneut Meteoreinschläge, erste Feuerbestattungen, Völkerwanderungen, Höhensiedlungen und Massengräber vermeldet. Europa scheint diesmal besonders vom Atlantik her betroffen gewesen zu sein. Die Trichterbecherkultur (Polen) wechselt danach 3800 v. Chr. zur Megalithkultur. Auch in England tauchen erst zu dieser Zeit die Großsteingräber auf, gleichzeitig aber auch Knüppeldämme und Langhäuser, eigentlich aus verschiedenen Kulturen. Diese Umbrüche fanden bestimmt nicht der Mode wegen statt. Trotzdem streiten die Wissenschaftler über Invasion oder Diffusion. Gegen 3500 v. Chr. könnte der Höhepunkt überschritten gewesen sein: Vornehmlich solche Kulturen waren verschwunden, die an den großen Strömen siedelten, welche in Atlantik und Nordmeer abfließen (Siehe oben!).
Doch der Mensch scheint lernfähig: Ab 3500 v. Chr. ging es noch höher hinaus und die Bauten wurden stabiler. Im griechischen Lerna, Mykene und Tiryns, im spanischen Los Millares, im portugiesischen Zambujal entstanden gegen 3200 v. Chr. befestigte Höhensiedlungen, die den Bau von Stadtmauern für die nächsten Jahrtausende vorweg zu nehmen scheinen. Sie haben - neben den erwähnten Rundhäusern - schon (halb)runde Bastionen aus Trockenmauern und sind mehrstufig mit einer Akropolis angelegt. Sie alle folgen in Zerstörung und Wiederaufbau ab jetzt bis in die Antike den o. g. Krisenzeiten. Trockenmauern werden nun zum Zeitgeist. Das massenhafte Schichten von Steinen damals gipfelte in der sog. Zyklopentechnik, wo besonders im nördlichen Mittelmeerraum, wie in Tiryns, Athen und Mykene, Monsterbrocken millimetergenau zusammengefügt wurden. Diese Bauweise findet man z. B. auch in China und Peru. Natürlich wird die Masse der Menschen weiter in irgendwelchen Holzhäusern gewohnt haben. Aber es scheint bereits elitäre Gruppen gegeben zu haben, die sich zu schützen wussten. Wahrscheinlich waren es überall neu angekommene Invasoren. Einzelne Forscher glauben, dass Typen, wie die Gletschermumie Ötzi, um 3300 v. Chr. - in Etappen - mit dem Handelsgut Feuerstein über die Alpen bis nach Skandinavien marschiert sein könnten. 
Um sich im nördlichen Zentraleuropa aber durchzusetzen, brauchte die neue Bauweise knapp 1000 Jahre. Mit den dort nachfolgenden Keramik-Stilen wie Grooved Ware (England, 3200-2000 v. Chr.), Wartberg (Mittelgebirgsschwelle südlich Nordsee, 3500-2800 v. Chr.),  oder Walternienburger-Bernburger Kultur (3100-2700 v. Chr.) oder Thenacien (Franz. Atlantikküste, 3300-2900 V. Chr.) deutet sich auch hier noch vor Beginn der Kupferzeit ein architektonischer Wandel an. Die neuen Gruben-Erdwerke entstanden auf dominierenden Bergspornen, wie auf dem Wartberg bei Kirchberg, dem Langen Berg in der Dölauer Heide bei Halle (Saale) oder auf der Schalkenburg bei Quensted. Die Abhänge solcher Höhensiedlungen - wahrscheinlich schon künstlich versteilt - sind oft mit diesem typischen Magerrasen wie in der Rhön über uns gekommen. Im Atlantischen Hinterland werden kunstvoll geschichtete Steinmauern ohne Mörtel zwischen die Ringgräben gesetzt, wie in Les Matignons, bei Juillac-le-Coq. Die Megalith-Tradition scheint weiter in die Mittelgebirge unseres Kontinents vorgerückt zu sein. Vielleicht müssen hier die vielen unerforschten Siedlungsverdachtsplätze in unseren waldreichen Bergen eingeordnet werden. Nicht wenige von ihnen sind mit steinbruchartigen Gräben umgeben, oder aber gegen den Hauptberg abgesichert.
Marsberg bei Würzburg: Altsteinbrüche als Verteidigungslinien
von endneolithischen Höhensiedlungen?
Deren spätere Nachnutzung vielerorts als Steinbrüche macht ihre Identifizierung so schwierig. Sie scheinen aber als Verteidigungsgräben plausibel, weil die Steinadern nicht nachverfolgt und das Bruchmaterial augenscheinlich nicht abtransportiert wurde. Im Gegenteil: In manchen bevorzugt süddeutschen Grubenanlagen schichtete man sie zu Steinmonumenten aufeinander, wie sie am Atlantik als Bruchsteingräber bekannt sind (Siehe Cairn-Forschungsgesellschaft). Selbst an den Rändern des Thüringer Waldes finden sich solche steinbruchartigen Ringgräben. Manche sind unvorstellbar tief wie um die Hornkuppe nördlich von Merbelsrod, oder unheimlich lang, wie um die immerwährende Höhensiedlung Witterstatt. An anderen Stellen ist jeweils die Innenseite mit Trockenmauern gestützt (durchgehend auf dem Fronberg über Belrieth). So etwas macht kein Steinbrucharbeiter. Egal zu welcher Zeit!
Kreisstrukturen am Mittelpunkt Deutschlands
Heiligenstadt Flinsberg

Letztmalig hier gegen Ende des Neolithikums - aber wahrscheinlich früher - müssen jene unerforschten Kreisstrukturen einzuordnen sein, wie sie sogar auf Google Earth zu sehen sind. Diese Luftbilder zeigen viele Ringstrukturen in Höhenlagen, ja bis ins Mittelgebirge, z.B. östlich des offiziellen Mittelpunktes Deutschlands bei Flinsberg, östlich von Eisfeld oder westlich von Sömmerda zwischen den beiden bekannten Weißenburgen. Noch wurde bei jeder dieser kreisförmigen Bodenverfärbungen ein neolithischen Siedlungsplatz ergraben.
Die östliche „Holz“- und die westliche „Megalith“-Tradition waren damals auch in die schnurkeramische Kultur (2800–2100 v. Chr.) und die Glockenbecherkultur (2500–2200 v. Chr.) kumuliert, die Europa am Rhein relativ sauber teilten. An ihren Bewegungslinien lassen sich erstmals auch strategische Invasionen nachweisen. Der neue Werkstoff Kupfer könnte dabei hinsichtlich Lagerstätten und Kriegstechnik eine entscheidende Rolle gespielt haben. Obwohl die Metallverarbeitung wieder aus dem Nahen Osten stammt, sollen zuerst die Glockenbechertypen damit hantiert haben. Noch diskutieren die Wissenschaftler, ob die Bechertrinker aus Ungarn oder Portugal nach Mitteleuropa einmarschiert sind, dabei zeigen ihre Aufmarschgebiete, dass beides wahrscheinlich ist. Ihre Spur führt wie bei einer Zangenbewegung von der Iberischen Halbinsel bis in die Ukraine hinein (Siehe entsprechenden Post on diesem Blog). Wieder ein Konflikt der Ost- und Westparteien?  

Spornfestungen
Expansion der Indogermanen

Gegen 2200 v. Chr. muss es jedenfalls erneut zu extremen tektonischen Verwerfungen gekommen sein. Wissenschaftler vermelden weltweit Kometenimpacte, Sturmfluten, Klimaanomalien und   Hungerkatastrophen. Diesmal scheint es rund um die europäische Platte gewackelt zu haben. Diese Umwälzungen bringen Kulturen wie Los Millares (3500-2300) in Spanien, Seien-Oise-Marne (3100-2400) in Frankreich, die Minoische in Griechenland (2000-1600 v. Chr.) und die Schönfelder (2900-2100 v. Chr.) in Ostdeutschland zu Fall. Die verschiedenen Anfangs- und Endzeiten deuten auf unterschiedliche Auswirkungen der Krisen hin. In Griechenland gibt es einen durchgehenden Brandhorizont in allen Siedlungen, den nicht wenige Historiker mit einem Vorstoß der Indogermanen aus den Steppen nördlich des Kaukasus in Verbindung bringen. Geschwächte Kulturen waren selbstredend leichte Beute für Unbetroffene. Noch dazu, wenn sie mit Pferden und Bronzewaffen ausgestattet waren!
El Argar Kultur, Südspanien 2200-1550 v. Chr.
Die Kreisanlagen scheinen jetzt passé. Die nachfolgenden Hochkulturen glänzen vor allem durch ihren beeindruckenden Burgenbau auf Bergen. Troja wurde monumental, die Minoische auf Kreta erlebte ihre wichtigste Phase, die sog. Altpalastzeit von 2200-1600 v. Chr., die spanische El Argar zur gleichen Zeit baute befestigte Siedlungen, die der von Troja in nichts nachstanden, Artenacian (2200-2100 v. Chr.) wird in Frankreich als Bollwerk gegen die östlichen Indogermanen deklariert und Wessex (2000-1400) macht aus dem hölzernen Stonehenge das Steinmonument. El Argar - wahrscheinlich Zuwanderer vom Schwarzen Meer - gehen jetzt vom runden zum recheckigen Häusebau über. Im spanischen Hochland entstehen jeweils im Abstand von 5 Kilometern die sog. Motillas (2200-1200), die in Trockenbauweise den komplexen Burgenbau für die nächsten Jahrtausende in Europa vorweg nehmen.
Motillas, Spanien, 2200-1200 v. Chr
Völlig identische, nur wenig kleinere Anlagen entstehen auf den Balearen, wo sie Talayots (1300-200 v. Chr.) genannte werden, auf Sardinien, als Nuraghe (2000-400) bezeichnet, noch kleiner auf Korsika als sog. Torre und auf anderen Inseln. Mit der abnehmenden Qualität entsprechend der Entfernung von Spanien bestätigen sie die Wanderung immer noch glockenbecherorientierter Invasoren von Iberien nach Norditalien, die Schweiz, Griechenland und Ungarn. Auch am Atlantik sehen Genetiker wieder eine Südwest-Nordost-Trift. Viel Bewegung damals!



Nach dem Kollaps vermischten sich - entsprechend der Theorie von den „friedlichen Zwischenkatastrophenzeiten“ - in Mitteldeutschland die Glockenbecherleute und Schnurkeramiker zur sog. Aunjetitzer Kultur (2200–1600 v. Chr.) mit den erfolgreichsten Gütern aus beiden Zivilisationen (Glockentöpfe mit Schnurverzierung, Bronzedolche, Hügelgräber). Die ausgegrabenen Artefakte der Kreisgrabenanlagen wie Pömmelte gehören zu allen drei Zivilisationen. Das zeigt, dass die Bauern zwischen den einzelnen Katastrophenzeiten wieder in die Täler gezogen sein müssen, zurück zu alten Siedlungsgewohnheiten. Das scheint sich aber bei der nächsten mutmaßlichen Elbe-Flut wieder gerächt zu haben. Pömmelte wechselt gegen 2100 v. Chr. zu der etwas höher gelegenen Kreisanlage Schönebeck und auch die geht nicht viel später unter.
Mehrere Abschnittswälle: Alteburg Arnstadt
Doch insgesamt scheinen auch in Zentraleuropa nach 2200 v. Chr. mit der beginnenden Bronzezeit die befestigten Höhensiedlungen zu dominieren, wie die Altenburg, südlich von Arnstadt, auf dem Bullenheimer Berg im Steigerwald oder La Mutta in den Schweizer Alpen. Auch wenn über Art und Zeit der Befestigung gestritten wird, Akropolis und Schanzstrukturen, insbesondere an gefährdeten Stellen, scheinen jetzt Standard geworden zu sein. Manchmal schließen solche befestigten Bergnasen ganze Höhenzüge ein, auf denen dann entsprechend unbefestigt geackert und gesiedelt werden konnte (rund um Albstadt, Burladingen, Beilingries oder Dietfurt). Archäologisch wurde dieses Verteidigungsprinzip ganzer Hochflächen von der Bronzezeit bis ins Mittelalter nachgewiesen rund um Erkenbrechtsweiler. Sogar die Zwischentäler waren mit Schanzen aufgefüllt. Manchmal erkennt man auf Luftbildern in deren Mitte sogar noch Ringstrukturen, die dann sicher aber älter sind (Hochebenen zwischen Werra, Jüchse, Hasel und Schwarza).

Massenhaft wurden damals Schätze vergraben, die als Depots oder Horte klassifiziert sind. Hügelgräber (Kurgane der Indogermanen?) und Siedlung liegen wie immer dicht beieinander: Natürlich kann ich nicht unter die Erde gucken, aber wer das Höhen- und Kreisprinzip bei Wohnplätzen damals anerkennt, ahnt, wo die Erbauer des bekannten Fürstengrabes von Leubingen wohnten: Auf dem Orlishäuser Hügel! Dort finden sich jedenfalls in Luftbildern die Kreisstrukturen.

Damals soll beim Holzhaus auch der Übergang von der Vier- zur Dreischiffigkeit stattgefunden haben, d. h. man war in der Lage, auf die mittlere Pfostenreihe zu verzichten. Das Wohnstallhaus teils mit immer noch beträchtlicher Länge wurde die dominierende Nutzungsform.
Tausende Jahre alte Terrassenfelder im Maghreb
Eine weitere wesentliche Segnung könnte aus dem Südwesten mit dem Aufkommen der Bronze über uns gekommen sein: Feldterrassen. Die meisten finden sich im Atlas und Antiatlasgebirge des Maghreb. Am Anfang haben sie nur kleine Absätze, große Flächen und folgen den topografischen Höhenlinien. Deutlich schmalere Parallelstufen tauchen erstmals bei der El Argar-Kultur (2200-1500 v. Chr.) in Südspanien auf, früheste archäologische Funde in solchen Anlagen weltweit stammen aus der Bronzezeit und selbst die ersten Aufzeichnungen beziehen sich auf jene Jahrhunderte. Auch bei uns scheinen nach 2200 v. Chr. extreme Umweltbedingungen die Bauern gezwungen zu haben, ihre Berge entlang der Topografie zu terrassieren. Ich bin noch nicht dahinter gekommen, ob diese extremen Aufwendungen betrieben wurden, um Feuchtigkeit am Berg zu halten (Trockenheit) oder Abspülungen zu verhindern (Dauerregen). Beides ist nämlich bei einer vulkanaschebedingten Wolkenbildung nebst andauernder Sonnenfinsternis möglich. Am Mittelmeer wurde auch aus anderen Quellen eine Trockenheit damals belegt. Andererseits kann es auch nur darum gegangen sein, pflugfreundliche Bodenbearbeitung möglichst nahe den Höhensiedlungen zu betreiben. Sicher aber scheint der Zusammenhang von Terrassen und Verteidigungsanlagen zu sein. Immer war nämlich ein Stufenring, meist der oberste, am höchsten und stabilsten ausgebaut. 
Überall Terrassen, die über 2000 Jahre alt sein müssen:
Schwellenburg Erfurt
Solche Strukturen an künstlich abgeflachten Bergen finden sich aber tausendfach in ganz Europa, was ich als Indiz ihrer ur- und frühzeitlichen Besiedlung interpretiere. Dabei muss man wieder die verzögerte Wanderung der Architektur vom Süden nach Zentraleuropa berücksichtigen. Natürlich können nur Archäologen eine genaue Datierung vornehmen, aber überall dort, wo gegraben wurde, zeigt sich deren bautechnische Struktur abhängig von der Entwicklung der Härte ihrer Werkzeuge. Das reicht von schwachen Stufen der kupferzeitlichen Siedlungen wie Zambujal bis zu den Treppensiedlungen der eisennutzenden Etrusker. Unnötig zu erwähnen, dass es auch wieder in China und Südamerika solche Anlagen gibt. Größtes Beispiel ist der weitgehend unerforschte Dolmar in der Rhön, wie auch die meisten Berge in seiner Umgebung. Mehrere Dolmengräber verweisen auf megalithische Wurzeln seiner Besiedlung, die gigantischen Terrassenanlagen auf Tausende Bewohner. Agrarhistoriker denken, dass solche Stufen im 13. Jahrhundert entstanden sind. Besiedlungsgeschichte, Urkunden und Ackerbautechnik geben aber ein anders Bild (Siehe Post zu Terrassen in diesem Blog).
Außerdem fällt auf, dass eine Menge historisch erfolgreicher Metropolen ur- und frühzeitlich besiedelte Monsterberge besitzen, meist auch terrassiert. Dazu gehören
  • Bet Shean, Israel: Viele antike Städte
    haben bronzezeitliche Vorgängerhügel

              Paris - Montmatre
  • Marseille - La Garde
  • Barcelona - Sant Montjuic
  • Nimes - Tour Magne
  • Athen - Akropolis ab 5500 v. Chr.
  • Rom - Sieben Hügel ab 500 v. Chr.
  • Budapest - Gelertberg
  • Prag - Hradschin
  • Kücükköy - Teufelstisch, megalithisch
Der Zusammenhang stellt sich meines Erachtens über die Lage an einem großen Fluss mit notwendig beschützter Furt her. Beschäftigt man sich mit der Geschichte der einzelnen Erhebungen, weiß man um deren Bedeutung für das historische Überleben der Stadt. Überhaupt scheinen es immer diese dominierenden Höhen gewesen zu sein, die über alle prähistorischen Zeiten als Zwangssiedlungen herhalten mussten. In Südthüringen beispielweise Dolmar, Geba und die Gleichberge. Umliegende Weiler für die arbeitende Bevölkerung um diese Höhenquartiere bestätigen nur das Gesamtbild. Doch ich habe jetzt weit vorgegriffen!
Einen Tsunmi beim Ausbruch des Thera auf Santorin
konnte sich der Grafiker hier wohl nicht vorstellen

Um 1600 v. Chr. findet erstmals ein Kollaps statt, der an einem konkreten Vulkanausbruch und dessen unmittelbaren Auswirkungen fest gemacht werden kann: Die große Eruption des Thera auf Santorin. Diese zerstört die Minoische Kultur auf Kreta, die Helladische Kultur in Griechenland, El Argar in Spanien, und das damals maximal ausgebaute Troja. In Italien schieben einige Autoren regionale Zerstörungen auf den Ätna. Motillas, Nuraghe und Torre werden nicht mehr gebaut. Am schwersten war naturgemäß Ägypten betroffen, dessen Katastrophen als die Zehn biblischen Plagen und der Exodos der Juden über uns gekommen sein müssen. Kurze Zeit später sollen auch die ersten Indogermanen in Anatolien und Griechenland eingefallen sein. Neue Staaten entstanden, wie Mykene und Hatti. Auch wenn in Mitteleuropa nichts auf Zerstörungen hinweist, deutet die sog. Mittlere Bronzezeit auch hier auf Umbrüche hin. Die Aunjetitzer Kultur in Mitteleuropa bricht ab, das Kulturniveau sinkt, aber die Grabhügel werden so viele, dass die Fachleute von der nun einsetzenden Hügelgräberzeit (1600-1200 v. Chr.) sprechen. Archäologen und Linguistiker sehen auch hier wieder einen Vorstoß der sogenannten Kurgangräber-Kultur aus Osteuropa und damit der Indogermanen. Nutzten die Steppenvölker wieder das Chaos im Westen aus oder waren sie selbst Vertriebene? Der Rhein scheint aber als verschwommene Grenze zu den immer noch megalithisch orientierten Bronzeschmieden am Atlantik gehalten zu haben. Das Höhensiedlungsprinzip mit umliegenden Weilern scheint ausgebaut und verfestigt worden zu sein.
Dolmar Südthüringen: 
Kein Berg Europas ist so mit Terrassenfeldern bestückt
Auch die immer noch bestehende Kreisgrabenanlage von Schönbeck an der Elbe war aufgegeben worden. Die Ausgräber meinen durch „Intentionelles Verlassen“. Die befestigte Höhensiedlung von Bernstorf soll damals gebaut worden sein, um sie gleich wieder abzubrennen. Die Archäologen sagen, die Einwohner hätten ihr Dorf selbst zerstört. Die Himmelsscheibe von Nebra, seit 2200 v. Chr. in Gebrauch, wird vergraben. Die Experten sagen wieder rituell. Ich habe da Schwierigkeiten zu folgen. Ich sehe entsprechend dem menschlichen Wesen Krisenzeiten durch Klimakapriolen, kriegerischen Völkerbewegungen und das vorsorgliche Vergraben von Schätzen.
Außerdem glaube ich spätestens jetzt an den auf den Kammwegen perlenkettenartig aufgereihten Hügelgräbern die urzeitlichen Altstraßen Europas festmachen zu können. Nach Detailrecherchen in meiner Heimat rund um den Thüringer Wald steht die Anzahl der untersuchten zu den unbekannten runden Bruchsteinhaufen im Verhältnis von 100:1. Verfolgt man sie, schälen sich wieder dominierende Muster in der Siedlungsstrategie heraus: Gräber und Höhenfesten scheinen sich nämlich an alten Verkehrssträngen zu orientieren und diese wiederum müssen prinzipiell in der sinnfälligen Verknüpfung wasserscheidender Höhenlinien bestehen.
Das können die Kammwege der Mittelgebirge gewesen sein (Thüringer Wald, Rothaargebirge, Erzgebirgskamm) aber auch unscheinbare Höhenzüge im Flachland (spätere Kupfer- und Weinstraßen, Via Regia, Via Imperii). Alle 20 Kilometer, dem Tagespensum eines Ochsenkarrens, müssen außerdem strategische Versorgungs- und Sicherungsstationen errichtet worden sein, aus denen sich manchmal heutige Kommunen entwickelten (Winterberg, Oberhof, Neumarkt, Ulmen). Meist sind die Abstände geringer, weil über alle Zeiten neu gebaut wurde. 
Besonders augenfällig wird dieses Prinzip am Keltenerlebnisweg von Bad Windsheim nach Meiningen oder an der Heidenstraße von Köln nach Leipzig. Entsprechend den geografischen Gegebenheiten waren das natürlich oft nur Korridore, die die verschlungenen Launen der Natur durch Abkürzungen umgingen. Es gab auch immer mehrere Varianten, wie uns Hohlwege, Flussübergänge, Flurnamen verraten. Im Hochgebirge, wie den stark frequentierten Alpen, konnten natürlich nur die Talränder genutzt werden. Immer dort, wo die Kammwege die Wasserscheiden verließen und deshalb Flüsse queren mussten, entstanden an deren Sandbänken in Flusskurven die späteren Furten. Die dienstleistungsintensiven Flussquerungen ließen die heutigen Dörfer und Städte entstehen, wie Straßfurt, Frankfurt, Dietfurth, aber auch Kassel, Leipzig und Dresden. Das sind alles Orte, wo immer mehrere Wasserscheiden heute noch zusammen führen. Hinter (oder vor) diesen Furt-Niederlassungen ging es über Bergsporne oder trockenen Täler wieder zu den Wasserscheiden hinauf.
Die Europäische Hauptwasserscheide als kontinentale
Urstraße für die Prähistorischen Völkerwanderungen?
Die späteren Vorspanndienste mit zusätzlichen Zugtieren für Trecks erkennt man in den hunderten „Ausspannen“. Die meisten Altstraßenforscher ordnen die bis zu 20 Meter tiefen Hohlwege dem Mittelalter zu, obwohl viele von ihnen weitab oder entgegen der bekannten Altstraßen verlaufen, z. B. parallel zu den Kammwegen. Die meisten archäologisch bekannten Höhensiedlungen der Ur- und Frühzeit orientieren sich an diesen Linien. Selbst die neolithischen Ringgrabenanlagen deuten darauf hin, dass diese Zwangsführungen viel früher, also seit den ersten Siedlern bestanden haben müssen (Siehe Post-Schwerpunkt „Altstraßen“ im Blog „Fränkisches Thüringen). Der mutmaßliche Verkehrsaufschwung in der Bronzezeit könnte mit dem Handel der notwendigen Legierungen zu tun haben. Englisches Zinn beispielsweise verbreitete sich ab 2200, und war ab 1600 v. Chr. in ganz Europa, sogar in der Levante zu finden. Selbst die Orte mit den ausgegrabenen Leitkulturen liegen an diem Netz: Michelsberg-, Rössen, Wartberg-, Hallstatt-, La Tene usw. In diesem Muster bildeten sich regelrechte Siedlungszentren über alle Zeiten und Kulturen heraus, wie oben als Wiederbenutzung beschreiben, besonders von endneolithischen Ringgrabenanlagen zu bronzezeitlichen Höhensiedlungen. Beispiele wären Sacrow bei Potzdam, Watenstedt, Niederkaina bei Bauzen, Wildeshausen bei Bremen, Ippenheim am Steigerwald, der Glauberg in Hessen oder natürlich die Elbübergänge um Schönebeck oder Stretenburg. Altstraßenkreuzungen implizieren solche Konzentrationen auch an Orten, wo bisher kaum archäologisch geforscht wurden (Winterberg im Rothaargebirge, Oberhof im Thüringer Wald oder Donauwörth). Man braucht nur die prähistorischen Highlights über wasserscheidene Höhenrücken miteinander zu verbinden, um solche Urweg-Verbindungen zu treffen. Ein Beispiel wäre die völlig vergessene Strecke von Manching über Houbirg und Staffelstein über den Thüringer Wald zum Gleitsch bei Saalfeld und weiter. Selbst noch die Europäische Hauptwasserscheide funktioniert nach diesem Prinzip (Siehe entspr. Post in diesem Blog). Prähistorische Autobahnen quer durch unseren Kontinent?
Ipf, Siedlungszwang von 4500-200 v. Chr.
Die stärksten Auswirkungen auf Siedlungsstrategien aber muss die Katastrophenzeit um 1200 v. Chr. gehabt haben. Mehrere Wissenschaftler machen den Hekla auf Island verantwortlich, einzelne auch den Ätna. Das ist aber von der Fachwissenschaft nicht anerkannt. Irgendetwas aber muss ja sämtliche Zivilisationen damals ausgelöscht haben (Wessex-England, Arthenacian-Frankreich, Iberische Bronze-Spanien, Hügelgräber-Mitteleuropa, Terramare-Italien, Mykene-Giechenland, Hethiter-Türkei). Offensichtlich weisen zunächst alle Ausgrabungsstätten rund um das Mittelmeer zu dieser Zeit einen Zerstörungshorizont durch Fluten und Erdbeben aus. Die Poebene soll komplett unter Wasser gestanden haben. Der kurzzeitigen Überflutung der Tiefebenen von den Meeren aus, müssen besonders in Mitteleuropa heftige Klima-, Agrar- und Subsistenzkrisen gefolgt sein. Wieder das alte Lied: Archäologen finden vergrabene Schätze, neue Bronzewaffen, vereinzelt sogar Kannibalismus. Alle Flussauen und Küsten an Atlantik und Nordmeer sollen plötzlich menschleer gewesen sein. In höheren Lagen verbarrikadierten sich die Bewohner Früh- und Mittelbronzezeitlicher Spornsiedlungen nun hinter hohen Holz-Stein-Wallanlagen, wie der Ehrenbürg bei Forchheim, dem Bullenheimer Berg,  den Bergen um Pößneck, Ipf, Hohenasperg, Dünsberg bei Gießen u.v.a. mehr. Auch hier treten oft Altsteinbrüche auf, die teils bis in die Neuzeit betrieben worden sind (Gleichberge, Öchsen, Dietrichberg) Diesmal scheinen sie aber erst später entstanden zu sein, weil man die Bruchsteine der Wälle plündern wollte. Als die alle wurden, ging man in die Tiefe. Die meisten Publikationen gehen davon aus, dass damals überhaupt erst Höhensiedlungen entstanden waren. Ich konnte aber nur ein paar Ausnahmen verifizieren (Farrenheimer Berg, Heunischenburg, Marienberg/ Würzburg, Mont Lassois bei Vix). Und auch bei denen deuten Artefakte im Umfeld auf frühere Nutzungen hin. Sind wir hier wieder einer Fehlinterpretation auf der Spur? 
Staffelberg, besiedelt von 5000 vor bis 1500 nach Chr.
Eine Flussregion scheint aber nur mäßig von den Katastrophen um 1200 v. Chr. tangiert worden zu sein: die Donau! Und genau im abgeschottesten Teil des Stromes, dem Karpatenbecken, entsteht - quasi wie Phönix aus der Asche - die neue Urnenfelderkultur. Sie setzt europaweit einen völlig veränderten Grabritus durch, bei dem die bisher dominierende Ganzkörperbestattung durch das Verbrennen der Leichen abgelöst wird. Diesen Brauch hatte es früher nur vereinzelt bei solchen Kulturen gegeben, die direkt mit potentiellen Fluten in Verbindung gebracht werden können (Hilversum, Niederlande, 1800-900 v. Chr.; Schönfelder, Norddeutsche Tiefebene, 2900-2100 v. Chr.; Cetina, Dalmatien 2200-1600 v. Chr.). Ab 1200 v. Chr. aber wird die Einäscherung kontinental übergreifend. Die Wissenschaft erklärt den Umschwung mit neuen eingewanderten religiösen Strömungen. Ich vermute als Ursprung Massenverbrennungen von Leichen, wie sie bei Naturkatastrophen oder Epidemien logisch wären.  

Antike und Barbaren
Alteburg Langenenslingen, 800-600 v. Chr:
200 Jahre nur Schanzarbeiten?
Diese Urnenfelderkultur breitete sich nun langsam in ganz Mitteleuropa aus. Dabei scheint es auch eine klimabedingte Auswanderung Richtung Süden gegeben zu haben. Fest steht, dass spätbronzezeitliche Befestigungen damals ohne Zerstörungen verlassen wurden, wie die Heuneburg oder die Alteburg südlich von Arnsadt. Hinter den Alpen erscheinen die sog. Italiker. Das gleiche in Griechenland: Die Mykener gehen unter und fremde Völker tauchen auf: Dorer, Achaier, Ionier, Aioler, Lydier. Neue Städte wie Sparta entstehen. Die Mythen um Atlantis, Troja, Dorische Wanderung, Seevölkersturm, Philister, Iberer am Schwarzen Meer u.v.a. scheinen mit der Katastrophentheorie einen realen Kern gefunden zu haben. Archäologisch folgen in den mediterranen Siedlungen auf die Naturzerstörungen jedenfalls allerorts kriegerische Konflikte, die mit dem Untergang der Alteingesessenen endete (neben den Mykenern waren das die Hethiter, die Stadtstaaten der Levante, beispielsweise Ugarit, später auch die ägyptische Königdynastie). Die Experten sehen die Umbrüche damals als langsame Diffusion und beziehen sich vor allem auf die Weiterführung der Keramik. Dabei entsprechen die Abläufe genau heutigem Verhalten in den Beziehungen von Besatzern und Unterworfenen. Schließlich war der östliche Mittelmeerraum im Gegensatz zu Zentraleuropa schon stark besiedelt und Griechenland wie Anatolien fest in indogermanischer Hand. Urnengräber gibt es da kaum. Und: Nicht lange danach gegen 1000 v. Chr. setzt sich wieder das alte Muster in Gang: Indogermanen und auch Semiten stoßen weiter Richtung Westen vor. Griechen, Ionier und Phönizier beginnen den westlichen Mittelmeerraum und den Atlantik wieder zu besiedeln. Historiker nennen diese Niederlassungen „Handelsposten“ obwohl große Gebiete kolonialisiert wurden. Neue Völker konsultieren sich aus Einheimischen und Neuankömmlingen, wie die Etrusker. Städte wie Karthago, Paestum, Rom und Marseille entstanden. Dabei gelangte man bis „hinter die Säulen des Herakles“ in den Atlantik und gründet z. B. Cadiz. Im andalusischen Hinterland entsteht die Tartessische Kultur, wahrscheinlich als Vermischung mit den Einheimischen. 
Auch in Mitteleuropa das gleiche Bild, allerdings 200 Jahre später. Die Urnenfelderleute taten sich zunächst nämlich schwer, an den Atlantik und den Ärmelkanal vorzudringen. Dort - im unmittelbaren Wirkungsbereich des Hekla - also England, Frankreich, Iberien - herrschte nach 1200 v. Chr. die so klassifizierte Atlantische Bronze. Die ist gekennzeichnet durch Fundarmut, Nomadentum und - bis auf importierte Ausnahmen - minderwertige Bronze. Das lässt auf Lebensumstände in Krisenzeiten schließen. Bestand sollen auch die bretonischen Bronzeäxte mit geraden Schäften gehabt haben. Die waren in ganz Nordeuropa verbreitet. Hatten sich die megalithischen Höhen in der Bretagne über einen Flut gerettet? Doch so oder so - die innovative Kraft vom Atlantik schien gebrochen.
Denn bei der Ausbreitung der Brandbestattung muss immer noch die Siedlungshöhe gegenüber dem Meeresspiegel wichtig gewesen zu sein, wie in Niederkaina oder Biskupin. Im über alle Zeiten besiedelten Watenstedt nördlich des Harzes erhält die Kreisgrabenstruktur der Hünenburg nun einen Wall. Im Siedlungszentrum um Schönbeck an der Elbe folgt den beiden spätneolithischen Kreisgrabenanlagen (Pömmelte 2300-2000 v. Chr. und Schönbeck 2200-1600 v. Chr.) eine spätbronze-, früheisenzeitliche Begräbnisstätte, deren Bewohner sich wahrscheinlich auf dem Bierer-, dem Wein- und dem Spitzberg verschanzt hatten. Beide Zentren liegen übrigens am gleichen Ost-West-Wasserscheidenweg. Wissenschaftler streiten, ob die Burgenbauer Alteingesessene oder Invasoren waren, aber die nachfolgende Kontinuität solcher Befestigungen verweist auf die neuen indogermanischen Herren aus dem Osten (Siehe auch die vielen Herrenberge, z. B. über Schalkau oder in den Hörselbergen).
Nördlich der Alpen setze der Aufschwung gegen 800 v. Chr. mit der Verarbeitung von Eisen ein. Kontinuierlich entwickeln sich aus den Urnenleuten erst Hallstatt-, dann Laténe-Kelten. Sie errichteten riesige Oppida, das heißt stadtähnliche Siedlungen wie auf den Gleichbergen bei Römhild, der Milseburg in den Rhön oder dem Staffelberg am Main. Immer noch funktioniert das architektonische Prinzip der Nachnutzung, z. B. auf der Schalkenburg bei Quenstedt am Harz. Erst neolithische Kreisgrabenanlage, dann Siedlung der Bernburger Kultur und nun hallstattzeitliche Höhensiedlung. Die unterschiedlichen Höhenburgen lassen sich genau differenzieren:
  • Hallstatt: Henneberg-Südthüringen, Mont Lassois-Vix, Hohenasperg-Baden-Württemberg
  • Frühlatene (weniger Importe und Gräber): Ipf-Schwäbische Alp, Köcherburg, Dünsberg-Gießen, Heiligenberg-Heidelberg, Altkönig-Hochtaunus, Steinsburg-Südthüringen
  • Spätlatene (noch vor der Abwanderung): Heidenmauer-Dürkheim, Glauberg-Hessen, Ehrenberg-Reuthe
fiktive Holz-Stein-Mauer
Mit Eisenwaffen und der indogermanischen Sprache breiten sich nun diese Kulturen bis in den letzten Winkel Westeuropas aus. Kennzeichnend dafür sind Oppida wie Fourfiere über Lyon, Entremonz bei Aix-en-Provence, Monz Lassois über Vix oder Camulodunum in England. In Südfrankreich, Iberien aber auch Griechenland und Anatolien (Volcae) treffen sie auf die antiken mediterranen Kolonisten. Die Feldterrassen um solche Berge werden wahrscheinlich erst jetzt in der frühen Eisenzeit kleinteilig, parallellaufend und massenhaft (Alteburg-Arnstadt, Langenenslingen, Bullenheimer Berg, Steigerwald). Entlang der Höhenwege lassen sich nun die kleinen keltischen Viereckschanzen verfolgen, wahrscheinlich nur als Sicherungsposten gebaut.
Diese seit der Bronzezeit anhaltenden Ost-West-Triften müssen durch Barrieren wie Karpaten, Alpen oder Pyrenäen eine enorme Sprachdifferenzierung hervor gebracht haben. Ihre Entwicklung ist noch heute hörbar (alle v. Chr.): Anatolisch (1700), Griechisch (1400), Italisch (700), Iberisch (700), Keltisch (600), Germanisch (300), Slawisch (900 nach Christi). Auch hier die oben beschriebene indogermanische Expansion im Zusammenhang mit den auf die Katastrophen folgenden Veränderungen!
Kulturell und architektonisch entwickelte sich die Differenzierung zwischen den relativ isolierten Mitteleuropäern und dem Völkergemisch der Südländer weiter. Dort verschmelzen Einheimische, über die Alpen gekommene Italiker und aus dem „Morgenland“ zuströmende Neusiedler der alten Hochkulturen. Die Etrusker sind mit ihren immer noch dominierenden Höhenbergfestungen wie Saturnia, Orvieto oder Montepulciano zunächst die Fortschrittlichsten, die Latiner mit ihrer römischen Militärmaschinerie aber die Durchsetzungsstärkeren! Das könnte auch etwas mit der abnehmenden militärischen Wirkung dieser Spornburgen zu tun haben. Mit der einsetzenden Antike wird die seit 4000 v. Chr. bei den Sumerern genutzte Schrift auch bei den europäischen Eliten üblich und ihre Ergüsse blieben uns manchmal erhalten.
Heuneburg Hundersingen, nur ein keltischer 
Sicherungsposten am Urweg?
Überall zeigt sich jetzt ein weiteres Siedlungsmuster, dass mit dem Zyklus von Überschwemmungen und Austrocknung in Verbindung gebracht werden kann. Das ist die langsame „Talwanderung“ der beherrschenden Siedlungen und Verkehrsadern. Zunächst reichen die früheisenzeitlichen Feldterrassen teils bis an die Flussläufe heran (Ipf, Heuneburg, Buchberg, aber genauso Suhl), dann werden die Furten zu großen Städten ausgebaut (Rom ab etwa 500 v. Chr.), Manching an der Donau (300-50 v. Chr.) oder Ormoz in Slowenien (unterschiedliche Angaben). Die sich ganz Westeuropa unterwerfenden Römer legen ihren Limes noch gerne auf Höhenzüge, ihre festen Straßen aber bereits an den Rändern der großen Flussauen an (Siehe Römerstraßen). Im Jahre 8 vor der Zeitrechnung wird die keltisch begründete Bergfestung Toloso an den Platz des heutigen Toulouse an die Garonne umgesiedelt. Bei der Südwanderung der suebischen Germanen ab 300 v. Chr. entstehen an Flussübergängen die vielen Orte mit den Endungen -ing und -ung. Die sog. Germanenburg in Westgreußen scheint eine Ausnahme und die Übernahme eines Abschnittswalls aus der Bronzezeit zu sein. Denn ansonsten liegen deren Dörfer zwar erhöht, aber ungesichert, wie um Großromstedt. Der römische Limes an Rhein und Donau von Beginn der Zeitrechnung bis ins 6. Jahrhundert entwickelt sich auch als Grenze zwischen der meist in Stein bauenden Hochkultur und der ausschließlichen Holztradition der Barbaren. Das hat Auswirkungen bis weit ins Mittelalter hinein, wo sich im Osten Kultur, Architektur und Infrastruktur erst später entwickeln konnten. Aber seit dem Einzug der germanischen Völker kann Geschichte endlich an den Flur- und Ortsnamen abgelesen werden: Warte, Wache, Leite, Trift, Bühl usw.

Carcassonne Frankreich, seit 800 v. Chr. 
immer wieder überbaut
Germanische Bauherren
Immer noch streiten die Experten, ob die germanische Völkerwanderung ab 375 mit dem Einmarsch der Hunnen, durch Klimaveränderungen oder reine Beutegier ausgelöst wurde. Jedenfalls wird das Ganze zu einem erneuten indogermanischen Schub nach Süden und Westen. Die nachgewiesenen Umweltbedingungen im Jahre 536 nach Christi ähneln jedenfalls jenen, wie oben beschrieben. 
Die Germanen nutzen auf ihren Kriegszügen mit Kind und Kegel teils auch ehemalige prähistorische Wallanlagen nach: Runder Berg, Zähringer Burgberg, Gelbe Bürg, Houbirg, Reisberg, Wettenburg, Dünsberg, Geißkopf. An manchen Orten übernehmen sie in den römischen Provinzen deren Strukturen und Bauwerke, aber oft - wahrscheinlich bei Wiederstand - reißen sie alles nieder. Auch ihre folgenden Kriege untereinander zerstören nach und nach die Prachtbauten der genialen Südländer. Bis weit ins Mittelalter hinein dominieren bei ihnen weiter familiengroße Pfostenhäuser mit Holzfachwerk, Lehm, Schindeln oder Stroh. Erst die Frankeninvasionen und der sie begleitende Christliche Glaube bringen ab 600 v. Chr. Verteidigungs- und Kirchenbau langsam wieder in Schwung. Es mussten aber 1000 Jahre vergehen, bis das alte Niveau durchgehend wieder erreicht wurde. Weitere Austrocknung und Entwässerung lassen Orte selbst in tiefsten Lagen entstehen (-hausen, und -heim-Orte). Erst werden nur die Fundamente aus Stein errichtet, dann sogar die untersten Stockwerke. Viele Orte gründen oder bestehen weiter auch an den Quellen der ehemaligen Höhensiedlungen (Sünna-Öchsen, Kleinsassen-Milseburg, aber auch unbekannte wie Geba-Hohe Geba). Die jetzt heidnischen Plätze dort oben werden siedlungsfern mit Kirchen als symbolische Vereinnahmung des neuen Glaubens überbaut. Auch Klostergründungen scheinen sich strategisch und an den heidnischen Bauwerken zu orientieren. In den frühen Gemeinden kann man unabhängig von der Gründungsurkunde deren Alter an der Lage der Ortskirche erkennen. Liegt sie außerhalb des heutigen Ortskerns (meist der Hauptmarkt), kann sie nur nach der Christianisierung gebaut worden sein (Augsburg, Schleusingen, Eisfeld).
Überall in Europa zu finden: Strukturen die nicht natürlich 
entstanden sein können
Auch andere Bauwerke zeigen ohne schriftliche Quellen die historische Entwicklung an. Die expandierenden Franken hatten ja an allen strategischen Punkten Teile ihrer Truppen zur Wegesicherung hinterlassen (Tagesmärsche, Furten, Siedlungen der Unterworfenen). An den alten wasserscheidenden Kammwegen sind bis heute in unberührten Wäldern ihre immer noch meist aus vergänglichem Holz gebauten und oft nur regional bekannten Kleinburgen zu erkennen (Tachbach, Nordenberg, Staufer Berg ). Von den bronzezeitlichen Großwallanlagen unterscheiden sie sich durch ihre geringe Fläche und die auffällig tiefen Ringgräben. Steinbruchüberlagerungen und Terrassen gibt es hier nicht. Nachnutzungen können aber das Bild verfälschen: Selbst einige unserer heutigen Burgruinen stehen auf hallstattzeitlichen Vorgängern (Henneburg, Leuchtenburg, Coburg).
In den Gemeinden verweisen oft Wehrkirchen auf die frühesten Frankensitze hin. Deren Verwalter (Vögte) hatten sich ja schnell zu regionalen Anführern erhoben, die sich bald sog. Eigenkirchen leisteten. Als einige dieser Herrschaften sich mit dem Auflösen der fränkischen Zentralverwaltung gegen andere militärisch durchsetzten (Grafensystem, Beispiel Hohenzollern, Henneberger, Schwarzburger) gingen diese Kirchen in Diözese-, Bistum- und später Gemeindebesitz über. Massenhaft blieben sie mit ihren Schießscharten und Bruchsteinmauern als sog. Wehrkirchen oder Kirchenburgen erhalten (Ostheim, Grafengehaig, Kriegengebrunn, Frohnhausen, Eglise fortifiee, Hunawihr). Auch hier ist die kontinuierliche Entwicklung vom Berg ins Tal festzustellen. Manchmal erscheinen die historischen Leitbauten in Linie über einer Furt: Bronzezeitliche Wallanlage-keltische Terrassenfelder-fränkische Spornburg (Weltenburg, Haitabu, Schwallungen, Wernshausen, Unterkatz, Zella-Mehlis, Zell in der Rhön). Slawen und Wikinger benutzten um 900 zwar schon moderne Eisenwaffen, ihre Bauweise glich aber immer noch den ersten Siedlern 6000 Jahre früher.
Jeder kennt Venedig, aber keiner die Vorgängerstadt Altinum
Die ebenfalls ins Tal gewanderten heute sog. Altstraßen bleiben im Frühmittelalter immer noch durch die sichernden Königspfalzen von Paris beginnend herausgestellt. Breitungen an der Werra zeigt diese Dynamik beispielhaft: Es soll 450 von den Alemannen als Altenbreitungen an der wichtigsten Furt der alten Weinstraße gegründet worden sein. Dieser Nord-Süd-Höhenweg kann von Würzburg (Oppidum Marienberg) über die Rhön bis hinter den Thüringer Wald nach Gotha (Höhenbefestigung Großer Seeberg) als bronzezeitliche Trasse nachvollzogen werden. Noch heute wartet der Urweg mit Wallresten an Bleßberg, Stoffelskoppe, Wolfsberg und Sandberg in der Nähe auf. Als Breitunger Rennsteig kreuzt er den bekannten Rennsteigkamm. Dieser reiht sich wie 200 gleichnamige Kammwege in Europa in das oben beschriebene Altstraßensystem ein (Siehe entsprechender Post im Blog Fränkisches Thüringen). Etwa 300 Jahre später scheint ein fränkischer König mit seinem Heer bei Altenbreitungen die Werra gequert zu haben - Königsbreitungen entstand, wie hunderte andere mit dieser herausstellenden Bezeichnung in Europa. Damals müssen Thüringen und das heutige Franken einen Verwaltungseinheit gewesen sein. Die den verbindenden Weg sichernde Mannschaft nutzte den einzigen Steilabhang dort für ihre Befestigung - Burgbreitungen wurde als Pfalz gegründet. Mit der Konsultierung des Reiches und den Klostergründungen wandeln sich diese Ortsnamen zu Herren- (Mönche) und Frauen- (Nonnen) breitungen. Nur der beschriebenen Altstraße kann der hochwasserbedrohte und schwer zu befestigende Platz seine Bedeutung verdanken. Um 915 zerstören die Ungarn die Burg. Es wurde nur wenig wieder auf- aber auch nichts überbaut. Ähnlich übrigens die Situation in Alten- und Burgkunstadt u.v.a..

Die mit Abstand längste Bautradition.
Pfahlbauten in und um die Alpen 5000-1000 v. Chr.:
Bestens gegen Fluten gerüstet!
Fazit
In diesem vergleichenden Stil kann man sich jetzt jede einzelne Ruine vornehmen. Lesen können ja seit 200 Jahren alle. Unten sind einige Beispiele aufgelistet. Und wer sich nicht scheut auf öde Berge zu klettern oder im Unterholz rumzukriechen, findet auch massenhaft unbekannte Befestigungsrelikte, wie hier ausführlich beschrieben. Dazu muss man nur die Bergsporne entlang wasserscheidender Kammwege abklappern. Die genaue Datierung bleibt aber den Archäologen vorbehalten. Trotzdem scheint der hier vertretene Zusammenhang von Naturkatastrophen und Siedlungsstrategien um so deutlicher hervorzutreten, je näher wir der Jetztzeit kommen. Insbesondere vor 2200 v. Chr. aber muss noch viel erforscht werden. Obwohl die Experten mit dutzenden Klassifizierungen aufwarten, gibt es eigentlich nur 4 grundlegende fortifikatorische Typen, wobei Ausnahmen die Regel bestätigen:
  • erhöht liegende Dörfer mit konzentrischen Gräben, Palisaden, ev. auch Hecken, heute nur noch in Luftbildern zu erkennen (eventuell 6000-2000 v. Chr.)
  • große Spornburgen mit versteilten Abhängen und großflächigen Terrassen, später mit Abschnittswällen aus Fachwerk und Stein sowie kleinteiligen Feldterrassen (ev. 2000 vor bis zu Christi Geburt)
  • kleine Höhenburgen mit tiefen Gäben und Palisaden (ev. 500-1000)
  • Niederungsburgen mit Wassergräben (ev. 1000-1700)
Die architektonische Chronologie über alle hier beschrieben Zeiten und Stile sollte sich in folgender Tabelle erschließen.


Anlage: Siedlungsstrategien in Europa (Unterschiedliche Zeitangaben in den Quellen wurden gemittelt) 

Dominier. Bauform
Verbreitung
Entwicklung v. Chr.
Heute noch sichtb. Bauten




Runde Anlagen aus bearbeiteten Groß- und Bruchsteinen (Megalith)
Fruchtbarer Halbmond
Ägäis, Adria, Malta, Maghreb, gesamte Atlantikküste, Teilw. Rückw. Schweiz
Beginn 10000 Höhepunkt 4100 Höhepunkt 3900 Höhepunkt 2500
Ende 2200
Göbekli Tebe, Türkei
Tempel Malta
Dolmen von Menges
Stonehenges, England
Dolmen Rügen
Rechteckige Häuser aus bearbeiteten Groß- und Bruchsteinen sowie Ziegeln (Tells)
Fruchtbarer Halbmond, Später ganzer Mittelmeerraum Stein, Karpaten und Mesopotamien Ziegel
Beginn 7500
Höhepunkt 5000
Höhepunkt 4500
Höhepunkt 2800
Bis heute
Catalhöyük, Tell Halaf
Zikkurate Mesop.
Solnizata
Pyramiden Ägypten, Troja

Siedlungslücken
Eur. Platte, Zweistroml.
6200

Langhäuser aus Holz teils mit Gräben umgeben, Ringgrabenanlagen
Karpatenbecken, Osteuropa, Deutschland, Nordfrankreich, Britische Inseln
Beginn 5400

Höhepunkt 5000

Höhepunkt 4500
Linienbandkeramisches Langhaus Oerlinghausen, Vinca-Schrifttafeln von Tartaria, Kreisgrabenanlage Goseck
Siedlungslücken

4500, 3900, 3500

Weiter konzentr. Grubenwerke auf Höhen, teils Trockenmauern
Ganz Westeuropa,


am Mittelmeer
Höhepunkt 3400

Höhepunkt 3000
Ende 1600
Myke Down, Camp Durant, Fareleira, Lerna
Troja I und II
Pömmelte, Minoisches Kreta
Siedlungslücken
Atlantik, Mittelmeer
2200

Große Befestigte Höhensiedlungen, versteilte Abhänge, teils Trockenmauern
Ganz Europa
Beginn 2200
Höhepunkt 1900

Ende 100
Troja III-V , Minoische Palastzeit El Argar, Motillas, Nuraghe, Bullenheimer Berg, La Mutta
Siedlungslücke
Mittelmeer
1600

Hügelgräber in Massen
(Tholos, Kurgane)
Osteuropa bis etwa zum Rhein, Anatolien, Griechenland
1600-1200
Akropolis Athen
Troja VI, Mykene, Bernstorf, Dietzhausen
Siedlungslücke
Europa, außer Donau
1200

(Neu- und) Ausbau von großen Wallanlagen, Stein und Fachwerk, langs. talwandernd
Erst Donauraum, dann Süd-, Nord- und Westeuropa
Beginn 1200
Höhepunkt 1100
Höhepunkt 800
Höhepunkt 450
Ende Zeitwende
Urnenfelder: Freinberg Linz
Troja VII
Hallstatt
La Tene, Gergivia, Manching Viereckschanze Bopfingen
Antike Städte, wegsichernde Kastelle und Landgehöfte
Ganz Süd- und später Westeuropa
Beginn 1000
Höhepunkt 800
Höhepunkt 500
Untergang 6. Jhd.
Athen, Troja VIII
Etrusk. Spornberge, Orvieto
Rom
Tier
Kleine wegesichernde Bergburgen mit tiefen Gräben und Palisaden/ Mauern
Ganz West-, Süd- und letztlich Osteuropa
Beginn 500 u.Z.
Höhepunkt 800
Ende 1200 u.Z.
Danach nur Ausbau
fränk. Burgställe, Tachbach, fast jede heutige Burgruine
Niederungs-, Wasserburgen, Motte
Antikes Europa, frühm. Flachland, repräs. Fürstensitze
Beginn zur Zeitenwende
Ende Neuzeit
Kastell Pohl, german. Funkenburg, Slaw. Raddusch, sächs. Moritzbg