Denn es braucht weder Aliens, Chronologie-Kritiker noch Verschwörungstheorien um unsere Historie zu erklären. Seevölker, Dorische Wanderung, Atlantis oder die indogermanischen Invasionen z. B. sind längst erklärbar. Man muss nur die Veröffentlichungen von Archäologen, Genetikern, Geologen und Linguisten zusammenbringen. Bsp.: Westeuropa soll die einzige Gegend der Welt gewesen sein, die keine bronzezeitliche Hochkultur hervorgebracht hat. Dabei wurde vor langem mit El Argar in Spanien eine trojaähnliche Zivilisation ausgegraben. Ihr Untergang am Atlantik könnte uns auch den Schlüssel für die Beantwortung all der offenen Fragen liefern: Die längst hinlänglich belegten globalen Naturkatastrophen u.a. um 6200, 3900, 2200, 1600 und 1200 v. Chr. Durch sie bekommt alles einen Sinn, werden die großen Völkerwanderungen und gesellschaftlichen Umbrüche damals erklärt. Dazu stelle ich im 1. Post „Worum es hier geht“ 5 Hypothesen auf, die gerne diskutiert werden können. Die daraus resultierende Chronologie für Westeuropa ist von 2. bis 7. durchnummeriert. Eine Übersicht der urzeitlichen Kulturen: unten rechts...

Montag, 9. September 2019

Marokko - Kristallisationspunkt des „Alten Europa“ ?

Überall im Gebirge: Alte, ständig überbaute 
Befestigungen und dürre Stufenfelder
Das touristenferne Marokko überrascht: Es scheint vor allem die mediterrane Lebensart zu sein, die die Nähe seines Volkes zu Europa deutlich macht. Diese Verbindung verstärkt sich, je weiter man in der Geschichte des Landes rückwärts geht. Die Einflüsse von Arabern, Vandalen, Römern und Karthagern lassen sich ja genau abgrenzen. Die noch weiter zurück liegende historische Leere wird schnell relativiert, wenn man die Entwicklung der einheimischen Berber betrachtet und die frühzeitlichen Spuren in der Landschaft lesen kann: Millionen brachliegender Terrassenfelder bis in den letzten Winkel von Atlas und Antiatlas, dazwischen viele vergessene befestigte Höhensiedlungen mit eindeutigen Spuren zielgerichteter Steinbearbeitung.

Vergleich mit Deutschland: Der Ipf, seit Jungsteinzeit 
besiedelt, seit 1200 v. Chr. befestigt
Sprich: Es sieht aus wie in Mitteleuropa - nur ohne nennenswertes Grün. Das lässt ähnliche Zwänge in der Siedlungsgeschichte erkennen, was eigentlich unvorstellbar erscheint. Waren hier die gleichen Menschen unterwegs?
Das würde für Marokko eine völlig neue Bewertung seiner Geschichte erzwingen. Denn archäologisch erkennt man schnell eine zumindest ungenügende Differenzierung für ganz Nordafrika. Wie in Europa sind die meisten Siedlungsplätze unerforscht. Exemplarisch dafür steht das Felsplateau über Tafraoute im Antiatlas. Für mich die vielschichtigste Höhensiedlung, die ich weltweit je gesehen habe. Die Einheimischen dort wissen nichts von wissenschaftlichen Grabungen zwischen den gigantischen, „rundgelutschten“ Felsbrocken. Auch für die nicht wenigen Touristen nur ein „magischer“ Ort. Dabei erkennen geschichtskundige Geografen sofort die Zwangslage einer Befestigung zur Sicherung des Gebirgspasses vom Tal des Sous nach Timbuktu in der Sahara.
Das Felsplateau über Tafraoute: Steinbearbeitung und
Siedlungsspuren aus frühester Zeit

Tatsächlich finden sich auf den Felsplateaus über der Stadt alle vermutlich schon mesolithischen Siedlungseigenschaften: Leicht zu verteidigende Anhöhe, weit oben liegende (noch sprudelnde) Quelle, künstliche Einebnungen, unnatürliche Konturen an Steinen, wie Löcher, Ritzungen, Treppen und Skulpturen, darunter mehrere Gesichter und ein Pferd. Rundum liegen aufwendig geschichtete Terrassenfelder. Wahrscheinlich wurde hier anfangs noch Stein mit Stein bearbeitet. Das ganze könnte man noch als extreme Laune der Natur abtun, wenn da nicht der nördliche Felssporn großflächig mit Trockenmauern bestückt wäre, deren Wohn- und Verteidigungscharakter deutlich zu erkennen ist. Die Felsen da müssen nun schon mit Eisen bearbeitet worden sein. Auch hier ist eine zeitliche Zuordnung möglich, weil die typischen Lehmruinen der späteren Berber am Hang darunter liegen. Die heutige Stadt Tafraoute dann noch einmal tiefer in der Aue eines Flusses, der natürlich inzwischen fast ausgetrocknet ist. All das entspricht genau der Entwicklung der Siedlungsstrukturen in Mitteleuropa, nur dass es bei uns noch reichlich Wasser gibt.
Mit fortschreitender Geschichte wanderten 
die Siedlungen immer weiter ins Tal

Forscher sehen Atlantis im Atlasgebirge

Diese Strukturen finden sich in ganz Marokko, scheinbar so dicht wie bei uns. Je weiter man in den Norden kommt, desto aufwendiger werden die Trockenmauern. Die Terrassen nehmen ab. Viehpferche können die Umwallungen nicht sein, weil im Innern mehr Steine liegen als außerhalb. Steinabschleifungen muten als geglätteter Fußboden vergangener Häuser an, die sich exakt von den natürlichen schroffen Felsen nebenan abgrenzen. Quaderförmige große Blöcke scheinen zu Fundamenten geordnet. Riesige Felsbrocken ergänzen sich zu zyklopischen Mauern. Aufgerichtete Langsteine sehen wie Menhire aus, allerdings nicht geschliffen. Und überall massenhaft diese handgroßen Nutzsteine mit Abschlag-, Loch- und Schnittspuren, dazu Muschelschalen selbst in den Bergen oder Schneckengehäuse in steinigster Wüste. Östlich von Agadir liegt eine große kreisrunde Hügelstruktur, in der Atlantisforscher jenes sagenhafte Königreich vermuten. Was war hier los?
Wir wissen von der etablierten Forschung, dass

  • die Meerenge von Gibraltar bereits vor 5 Millionen Jahren entstand.
  • Neandertaler nur in Spanien, nicht aber in Marokko gefunden wurden.
  • dafür moderne Menschen bereits vor 145 Tausend Jahren südlich von Gibraltar zugange waren.
  • schon vor 82.000 Jahren hier schmuckherstellende Menschen gelebt haben.
    Iberomaurusin und Capsien in Nordwestafrika
  • die Siedler dann vor 20 Tausend Jahren begannen, von Nordafrika nach Spanien zu wandern. Als ob es die Meerenge nicht gäbe! Das kann man an der mesolithisch mütterlichen Haplogruppe U5 und 6 nachverfolgen, vor 10 Tausend Jahren dann an der neolithischen väterlichen DNA E1b1b, wahrscheinlich auch G2a und gegen 2500 v. Chr. an der Verbreitung von R1b. 
  • vor 17 Tausend Jahren die Fischer an der Küste von Tunesien bis Marokko langsam sesshaft wurden (Iberomaurusin). 
  • diese immer noch „Wildbeuter“ (Muschel und Schneckenhaufen) vor 10 Tausend Jahren begannen, Höhensiedlungen zu bauen, Ziegen und Schafe zu halten, und Felsenbilder besonders am Übergang von der Sahara in den Antiatlas zu schaffen (Capsien). 
  • vor 8000 Jahren Vorratshaltung und Fernhandel übers Meer nachweisbar sind.
  • die Sahara erst ab 6000 v. Chr. etwa begonnen haben soll, auszutrocknen. Den Römern aber war Nordafrika noch bis 500 nach Christus die Kornkammer ihres Reiches. 
  • erste Landwirtschaft vor 7600 Jahren von einer neuen Kultur ins Land gebracht wurde, die im Gebirge Trockenmauern aufschichtete.
    Atlas und Antiatlas prägen die Siedlungs-
    und Wanderungsstrukturen in Marokko
  • die erste keramische Kultur in Südspanien (La-Almagra) im 6. Jahrtausend v. Chr. in voll ausgereifter Blüte aus Marokko übersiedelte.
  • es in Nordmarokko nur einen megalithischen Steinkreis bei Asilah geben soll. 
  • vor 3000 Jahren Grabhügel entstanden, wieder an der Schwelle von Sahara und Antiatlas.
  • seit dieser Zeit Phönizier, Römer, Vandalen und Araber die Verbindung zwischen nordwestafrikanischer Mittelmeerküste (Magreb) und Südspanien manifestierten (Haplogruppe M81).
Das ist immerhin schon mehr, als man über andere Länder erfahren kann. Marokko muss Teil der globalen Menschheitsentwicklung gewesen sein. Von hier scheinen seit der Eiszeit entscheidende Impulse nach Europa gesandt worden zu sein. Die Meerenge von Gibraltar kann dabei nie ein erstes Hindernis dargestellt haben. Sie war vor der großen Eisschmelze bis 6000 v. Chr. etwa sicher auch viel schmaler. Trotzdem hätten die ersten Bauern noch keine Rinder, wie sonst üblich, mitgebracht. Nicht lange danach ist zumindest für das östliche Mittelmeer die beginnende Hochseeschifffahrt nachgewiesen.
Nordwestafrika fungierte wiederholt als 
genetischer Spender für Europa
Trotz der daraus resultierenden Konsequenzen für ganz Westeuropa, wird das alles leider von der offiziellen Geschichtsschreibung mehr als gering geschätzt. Dabei sehen nicht wenige renommierte Wissenschaftler, dass 
  • Klimaschwankungen im Erdzeitalter besonders immer Nordafrika hart trafen.
  • in Marokko der mit 300.000 Jahren älteste je identifizierte moderne Mensch gefunden wurde.
  • man wahrscheinlich hier das erste Mal Pfeil und Bogen benutzte.
  • die fortschrittliche Aterien-Kultur sich vermutlich erst hier in Marokko entwickelte.
  • die Besiedlung des Maghreb (Tunesien bis Marokko) vom Osten her erfolgt sein muss.
  • sich die Geschichte der Berber bis ins Capsin vor 10 Tausend Jahren zurück verfolgen lasse.
  • sich spätestens seit den ersten Bauern ein regelmäßiger Austausch über die Straße von Gibraltar entwickelte.
  • aus Marokko heraus die ersten Glockenbecher in Iberien beeinflusst worden sein sollen, die später ganz Europa überschwemmten (sog. Copoz-Becher von der Tajo-Mündung).
  • es eine Verwandtschaft zischen der Sprache der Basken und der Berber gebe, ja sogar nach Zentralafrika (sog. Mande-Sprecher).
    Die Sahara im Hinterland des Atlas
Mit solchen Thesen lässt sich doch arbeiten! Jetzt erscheinen die oben aufgezählten Funde in einem ganz anderen Licht. So wie in Europa Klima und Geografie besiedlungsführend wirkten, muss das in Nordafrika auch gewesen sein. Hauptproblem: die Sahara. Sie scheint witterungsbedingt schon immer ein Problemfall gewesen zu sein. Selbst die hominiden Bewegungen in der Altsteinzeit vor 50 Tausend Jahren sollen das Gebiet östlich und westlich umgangen haben (Haplo E). Deren Vorstöße in das eiszeitliche Europa begannen wahrscheinlich bereits vor 25 Tausend Jahren (U5).
Die Ausbildung des Siedlungsschwerpunktes auf dem Küstenstreifen von Marokko bis Tunesien vor 17 Tausend Jahren könnte die beginnende Austrocknung der Sahara markieren. Die aber wird von Klimatologen meist erst viel später angesetzt. Im Iberomaurusien, vielleicht vor 12 Tausend Jahren scheinen sich die Fischer lange mit der bäuerlichen Lebensweise schwer getan haben, wie in Europa die Tardenoisianer. Fischfang scheint effizienter gewesen zu sein. Im Capsien vor 9 Tausend Jahren zeigen begrenzt Haustiere und Höhensiedlungen eine neue kämpferische Kultur an. Das scheint ein erster Vorstoß von Bauern gewesen sein. Aber woher? Westlich und östlich davon, in Ägypten, Libyen und Mauretanien herrschte damals - archäologisch und genetisch - Siedlungsleere. Immerhin könnten die ersten Befestigungen wie Tafraoute im Antiatlas entstanden sein, sicher noch ohne Feldterrassen. Die Vorratshaltung im Magreb jedenfalls assoziiert fortschreitende Austrocknung und der Fernhandel überseeische Beziehungen. Aber wohin?
Felsmalerei mit Rindern
Eine erste Spur liefern die berühmten Felsenbilder im Saharaatlas - hier meist gemalt - südlich des Maghreb. Sie zeigen uns genau den historischen Ablauf: Darstellung von wilden Tieren und Jagdszenen 10.-6. Jahrtausend v. Chr. (Jäger und Sammler, feuchtes Klima), menschliche Kulthandlungen 7.-6. Jtd. (klimatische und gesellschaftliche Umbrüche), Rinderherden mit hellhäutigen Treibern 5.-2. Jtd. (Viehzucht), Pferde ab 1500 v. Chr. mit teilweise erster Berber-Schrift (Eliten), Kamele endlich mit Beginn der Zeitrechnung. So etwa ist es auch in Mitteleuropa abgelaufen, natürlich ohne Kamele. Die meisten Historiker beschreiben so die neolithische Expansion aus dem Fruchtbaren Halbmond heraus durch Osteuropa. Nur wenige Wissenschaftler vermuten, dass die ersten Bauern auch südlich von Balkan und Alpen, an den Rändern des Mittelmeeres - wahrscheinlich sogar durch die Sahara - nach Westen gewandert waren, um von dort nach Spanien und Mitteleuropa vorzudringen.
Nachgewiesen nämlich ist, dass in Syrien domestizierte Rinder über die Jahrtausende durch Levante und Sahara nach Nordwestafrika getrieben worden sind. Die Küsten Lybiens, Ägyptens und des Sinai sind aber zu jener Zeit immer noch dem Mesolithikum verpflichtet. Ackerbau scheint im Niltal erst um 5450 v. Chr. Einzug gehalten zu haben, Rinder in der ägyptischen Wüste gar ab 6700 v. Chr. Das ist später als in Spanien! Beide sollen aus dem schwarzafrikanischen Süden stammen (Einwanderung eventuell über den Jemen durch einen neolithischen R1b-Strang in den Niger). Auch die Felszeichnungen von Rindern in der Zentral-Sahara taugen als Beleg nicht viel: Dort gibt es zwar die gleichen Motive wie im Maghreb, aber sie sind graviert und zeigen eindeutig negroide Menschen. Woher also stammen die Rindviecher im Maghreb?
Die mögliche Wanderungsroute vor dem Wasseranstieg 
um 6000 v. Chr.
Ein weiterer Ansatz muss her. Verfolgt man nämlich die Samenreste der ersten Ackerbauern, muss es neben der etablierten Route die Donau hoch nach Mitteleuropa, einen zweiten Weg gegeben haben. Und der führt lückenlos nach Südspanien: Ab 9500 v. Chr. muss es zunächst von Anatolien über die Ägäis nach Italien gegangen sein. Dort scheinen sich die Landwirte geteilt zu haben. Nach Überzeugung einiger Archäologen marschierte der eine Teil über die Alpen und gründete die Cardial- und Impressokultur, die sich in Frankreich und Nordspanien verbreitete. Sie stellten auch nachweislich die ersten Ackerbauern am Oberrhein. Der andere neolithische Strang kann über Malta, Tunesien, Algerien, Marokko bis Südspanien nachverfolgt werden.
Die Megalithkultur: Aus Nordwestafrika inspiriert?
Dieser Weg war möglich, weil damals das Mittelmeer noch viel flacher gewesen sein muss. Bosporus und Ärmelkanal sollen erst gegen 6000 v. Chr. auf dem Höhepunkt der Eisschmelze überflutet worden sein. Die Höhenlinien im Mittelmeer zeigen uns die Ägäis als durchgehendes Land und die Verbindung von Italien nach Tunesien als sog. Maltabrücke deutlich an. Und über sie scheint der Zustrom von Innovationen aus dem Nahen Osten funktioniert zu haben, von den ersten Bauern, über die Megalithtraditionen bis zur Metallverarbeitung. Nach 6000 v. Chr. müssen diesen Kontakt nach und nach die ersten Hochseeschiffe übernommen haben. Die neolithische Expansion jedenfalls erscheint 5200 v. Chr. mit Samen und ausgeprägter Keramik in Südspanien. Alle Archäologen rätseln, woher diese La Almagra-Kultur wohl gekommen sei. Dabei erscheint nur die eben genannte Route plausibel. Marokko mit seiner archäologischen Geschichte wird so zum entscheidenden Drehkreuz menschlicher Sesshaftigkeit.
Vieles spricht dafür, dass diese Siedler sich auf der Iberischen Halbinsel erst mal 2000 Jahre lang häuslich eingerichtet haben. Neue Gene, Technik und Gesellschaftsstrukturen konnten entstehen. Durch landwirtschaftlichen Überschuss entwickelte sich ab 4800 v. Chr. die Megalithkultur zu ihrer höchsten Blüte. Ab 3900 v. Chr. vielleicht begann sich diese Kultur nach Mitteleuropa ausgebreiten. Im Norden bis in die Bretagne, nach Irland und England, später Norddeutschland und Skandinavien. Über Südfrankreich scheinen sie die Schweiz und Süddeutschland erreicht zu haben. Später dann musste sich Mitteldeutschland zu ihrem Reibungsgebiet mit der aus dem Osten kommenden Linienbandkeramischen Kultur avancieren.
Bis in den letzten Winkel sind Atlas und Antiatlas mit 
heute steinigen Terrassen überzogen
Und was macht zu dieser Zeit Marokko? Auch dort muss es ja noch etablierte Bauern gegeben haben. Trotz der logischen Wanderung der Becherleute in den feuchteren Norden darf angezweifelt werden, dass es in Marokko nur eine einzige megalithische Großsteinsetzungen gab. Alleine auf meinen Reisen vom Atlas zum Antiatlas und an die Grenze zur Sahara habe ich dutzende Monstermauern, Steinhaufengräber, aufgerichtete Felsstelen oder Steinfundamente in symmetrischer Anordnung gesehen. Auch die wissenschaftlich untersuchten Megalithanlagen in Algerien und Tunesien wie Djebel Gorra, Rocknia oder Simitthu sprechen eine andere Sprache. Man kann sogar wieder die Wanderungsrichtung festmachen: die Großsteinsetzungen von Elles sehen aus wie die Dolmen und Tempel auf Malta. Der megalithische Brauch könnte also entlang der alten Route gewandert sein, oder von Spanien nach Süden rückgewirkt haben.
Die Glockenbecherkultur: Aus Marokko heraus inspiriert?
Dieser wechselseitige Kontakt muss auch später fortbestanden haben, während der Glockenbecherkultur ab 2800 v. Chr. Nach offizieller Lehrmeinung sollen damals die ersten Indogermanen aus dem Osten über Mitteleuropa nach Iberien gekommen sein, um anschließend rückwirkend mit deren Töpfen ganz Europa zu überschwemmen. Ich kann solchen historisch beispiellosen Konstruktionen nicht folgen. Die Theorie einiger Wissenschaftler, wonach sich die Glockenbecherkultur nur in Andalusien entwickelt haben kann, begründet sich 
  • kulturell mit den Bechern, die wie marokkanische damals aussahen,
  • genetisch mit dem Inselrefugium Iberiens, dass ja schon die megalithische Hochkultur hervorgebracht hat und
  • wanderungstechnisch mit der Expansion der y-Haplogruppe R1b gegen 2600 v. Chr. auf den gleichen Pfaden, auf denen die ersten Bauern und die Megalithkultur nach Zentraleuropa kamen.
Die Schwellenburg nördlich von Erfurt: 
Agrartechnik aus Afrika? 
Jedenfalls mischten die Glockenbecher-Leute ganz Europa auf. Erst die diesmal eindeutig indogermanischen Schnurkeramiker scheinen die Invasoren in Mitteldeutschland aufgehalten zu haben. Welche Rolle dabei die aufkommende Metallverarbeitung spielte, kann nur gemutmaßt werden.
Die meisten Wissenschaftler sehen auch in dieser Zeit wieder nur spärliche Impulse von und in den Maghreb. Einzelne marokkanische und algerische Archäologen aber sind der Meinung, dass die neue Becherkultur bereits in Marokko entstanden war. Das würde bedeuten, dass zahlenmäßig starke nordafrikanische Verbände die alten Megalithgesellschaften in Spanien unterjocht haben müssen. Und hier kommen die Millionen Terrassenfelder in Spiel, die im Antiatlas bis an den Rand der Sahara reichen. Wer könnte das gewesen sein?
Zunächst: Stufen für die Landwirtschaft wurden in Italien und England auf den Beginn des Ackerbaus dort datiert, in der Levante vor mindestens 6 Tausend Jahren. Immer kann solch ein Aufwand nur der Not gehorchend betrieben worden sein. Historiker sind mehrheitlich der Meinung, dass gegen 1500 v. Chr. das allerletzte Grün aus der Zentralsahara gewichen sein muss. Davor wäre alles möglich gewesen. Ein Zuzug der Terrassenbauern aus dem Norden kann aber ausgeschlossen werden: Welcher Landwirt sollte Richtung Trockenheit ziehen? Nach meiner Meinung können das nur die Bauern gewesen sein, die aus der vertrocknenden Sahara flohen. Vielleicht spielte bei der landwirtschaftlichen Stufenschichtung auch schon Kupferwerkzeug eine Rolle.
Die El Argar Kultur in Spanien: Aus Marokko einmarschiert?
Diese Glockenbecher-Marokko-These setzt massenhafte Vorfahren der Berber und Tuareg als Träger voraus. Eindeutige Belege gibt es allerdings nicht. Die vielen unterschiedlichen R1b-Studien sind an dieser Stelle hilflos. Als sicher gilt aber, dass Terrassen gegen 2200 v. Chr. im südspanischen Los Millares zur kulturprägenden Siedlungsform wurden, bevor sie ganz Europa überzogen haben können. Trotzdem erscheinen spanische Terrassenlandschaften mickrig im Vergleich zum Antiatlas! Jedenfalls getraue ich mir gar nicht vorzustellen, welch ein menschliches, kulturelles und militärisches Potential hinter der Umformung ganzer Gebirgszüge stecken muss. Wer die Mittelgebirgswälder in Europa durchstreift, weiß: wie bei uns!
So setzen auch viele Altgeschichtler die ab dem 3. Jahrtausend v. Chr. gegen Ägypten vorrückenden Libyer mit den Berbern gleich. Wer soll das sonst gewesen sein? Auch im küstennahen Libyen gab es während des Neolithikums kein nennenswertes Leben. Von 1075-625 v. Chr. haben die westlichen Invasoren sogar den Pharao am Nil gestellt. Diese Vorgänge beschreibt auch Platon in seinen Atlantis-Berichten. Ein saharisches Reich von Spanienüber Marokko bis Ägypten? Kaum vorstellbar! Einzelne Forscher suggerieren aber explizit solch ein Gebilde für die Glockenbecherinvasion in Westeuropa!
Europa im Rhythmus von Klimaschwankungen
Und da sind wir bei der in diesem Blog vertretenen Katastrophentheorie. Marokko scheint hier ein Paradebeispiel abzugeben. Jedenfalls lassen sich alle historischen Vorgänge widerspruchslos einordnen: Der mutmaßliche Atlantik-Tsunami gegen 6200 v. Chr. könnte die Straße von Gibraltar tiefer ausgewaschen und das Mittelmeerbecken wieder vollständig gefüllt haben. Irgendwo musste ja das Wasser für die nachfolgende Überflutung des Bosporus herkommen. Bei der wahrscheinlichen Flut von 3900 v. Chr. mit vulkanisch bedingten atmosphärischem Winter und Agrarkrise, sollte dann die Megalithik aus ihren angestammten Atlantik-Revieren in Portugal und Spanien Richtung Norden und Osten getrieben worden sein. Während des Kollapses um 2200 v. Chr. muss dann die Glockenbecherkultur am Atlantik zugrunde gegangen sein und deren Nachfolger El-Argar später bei den klimatischen Umbrüchen um 1600 v. Chr. All das scheint aber nur ein Vorspiel auf die Katastrophe von 1200 v. Chr. gewesen zu sein, die ja ganz Europa und den Nahen Osten umgekrempelt hat.
Versteinerte Schwemmschichten aus dem Meer im Tal des 
Sous, zwischen Atlas und Antiatlas
Die kann man in Marokko richtig anfassen. An mehreren Stellen in der Ebene des Sous kommt eine etwa 20 Meter dicke, inzwischen versteinerte Schwemmschicht zum Vorschein. Besonders gut erkennt man sie im ausgewaschenen Wasserlauf bei Assaka Ou Blagh. Aus den Bergen kann das Sediment nicht stammen, wegen der Kieselstein- und Muscheleinschlüsse. Darunter zeigt sich blanker Fels. Darüber gibt es nur Humus, weshalb es die letzte große Flut gewesen sein muss. So etwas richtet kein normaler Tsunami an. Die monströse Überlagerung kann nur mit der Kometen-Impact-Theorie erklärt werden. Die so implizierten Zerstörungen und Wanderungsbewegungen damals würden jedenfalls die Seevölkerinvasion im östlichen Mittelmeerraum erklären, die - das kann kein Zufall sein - gemeinsam mit den Libyern/Berbern auch gegen Ägypten vorgetragen wurden.
Die bronzezeitliche Fundarmut in Marokko und Iberien zwischen 1200 und 1000 v. Chr. scheint damit auch hinlänglich geklärt. Die erst danach datierten Grabhügel in Foum Larjam, wieder an der Grenze zur Sahara könnten von Versprengten der Katastrophe stammen, denn zumindest in Europa treten sie ja vor dem Kollaps um 1200 v. Chr. auf. Die anschließend einsetzende Kolonisation der Phönizier aus der Levante heraus mit „Handelsniederlassungen“ wie Essaouira teilte Marokko wieder mit seinen Nachbarn.
Tafraoute heute im Tal
Jetzt in der frühen Eisenzeit könnten die Trockenmauer-Anlagen von Tafraoute am Antiatlas-Sahara-Übergang entstanden sein. Das assoziieren die bearbeiteten Fundamentfelsen. Aus dieser Zeit ist ein intensiver Handel durch die Sahara zum mittleren Niger bekannt, dem späteren Timbuktu. Auch in der Antike bleibt Marokko immer ins Weltgeschehen eingebunden, wenn auch am Rande. Die Straße von Gibraltar war den Puniern, Römern, Vandalen und Arabern wichtiges strategisches Aufmarschgebiet. Noch heute streiten sich Spanier und Briten um die militärische Beherrschung der Meerenge. Das lässt für die Entwicklung unseres Bewusstseins tief blicken.

Summa sumarum müssen also die Wanderungsschübe über Gibraltar aus zwei Richtungen bedient worden sein: Zunächst aus Süden mit den ersten Menschen, aus einer partiell fruchtbaren Sahara heraus. Die ersten Bauern scheinen dann aus dem Osten, entlang des Magreb, über die Maltabrücke gekommen zu sein. Mit der fortschreitenden Austrocknung der Wüste könnte sich der Zuwanderungsschwerpunkt anschließend wieder in den Süden verlagert haben, um danach ganz zu versiegen. Die Völker in historischer Zeit müssen sich dann nur noch auf der Küstenachse bewegt haben.
Weit im Nordwesten Afrikas funktionieren
noch die alten Traditionen
Die besondere Geografie Marokkos war wie oft in der Siedlungsgeschichte Fluch und Segen zugleich. Dieser nordwestlichste Zipfel Afrikas - meist als letzter Winkel der Zivilisation betrachtet - scheint immer eine wichtige Schnittstelle der Menschheitsgeschichte gewesen zu sein. Insbesondere die urzeitliche Einwanderung nach Westeuropa ist wahrscheinlich stark aus dem Maghreb heraus inspiriert. Da müssen wir nur in die Gesichter unserer Nachbarn schauen.